Redebeitrag von Elisabeth Quaré zum 2. Fukushima-Gedenktag in Trier (Kornmarkt 11. März 2013)

By | 13/03/2013

Redebeitrag von Elisabeth Quaré zum 2. Fukushima-Gedenktag in Trier (Kornmarkt 11. März 2013)

Am heutigen Tag denken wir in besonderer Weise an die Menschen aus Fukushima, 10 000 km entfernt von hier. Menschen die entwurzelt und ihrer Lebengrundlage beraubt wurden, die um ihre Gesundheit und die ihrer Kinder fürchten und die von ihrer Regierung belogen und im Stich gelassen werden.

Unser Fukushima liegt 40 km Luftlinie entfernt im französischen Cattenom.
4 riesige 1200 MW Reaktorblöcke an der dafür viel zu kleinen Mosel.

Ein Dinosaurier der Stromproduktion

  • Technik der 70ger Jahre – heute nicht mehr genehmigungsfähig
  • immer wieder in den Schlagzeilen mit Störfällen
  • 2012 waren es 39 Störfälle
  • besonders erschreckend ist, dass häufig unmittelbar nachdem ein Reaktor gewartet und wieder angefahren wurde, eine automatische Schnellabschaltung erfolgt! (sechsmal im Jahr 2012)
    Was und wie wird dort gewartet? Unter welchen Bedingungen?
  • Im letzten Jahr gab es zweimal Streiks im AKW gegen die schlechten Arbeitsbedingungen dort!
  • Dieses Jahr Ende Februar sind sogar ein Wartungsarbeiter sehr schwer und zwei andere tödlich verletzt worden.

Die Menschen in der Region sind beunruhigt. Der sogenannte „Stresstest“ hat das Unbehagen noch verstärkt.
Der Stresstest war keine Funktionsprüfung, sondern es sollte bewertet werden, ob man im AKW Cattenom mit extremen Wetterbedingungen, Naturkatastrophen, Flugzeugabstürzen und dem Ausfall von Sicherheitssystemen umgehen könnte.
Kurz gesagt: man könnte nicht!

Der Stresstestbeobachter für Rheinland-Pfalz, Saarland und Luxemburg – Herr Majer – stellt in seinem Abschlussbericht fest: (Ich zitiere)
„Das Kernkraftwerk Cattenom ist (…) weit entfernt von der bestmöglichen Schadensvorsorge. Folgende drei defizitäre Bereiche sind insbesondere zu nennen:

  • Die sicherheitstechnische Auslegung entspricht in weiten Bereichen nicht dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik.
  • Die Inspektion im August 2011 und die Sitzung der GPR (= französischer Expertenrat) im November 2011 haben gezeigt, dass die Anlage Defizite aufweist.
  • Gegen anlagenübergreifende Ereignisse wie in Fukushima besitzt der Standort Cattenom keine oder nur begrenzte Notfalleinrichtungen.“

(Mit dem Hinweis auf Fukushima ist kein Tsunami gemeint, sondern, um ein Beispiel zu nennen, das gleichzeitige Zusammentreffen von einem Brand im Kraftwerk und beschädigter Kühlleitung vom Mirgenbachstausee)

Herr Majer hält die Stilllegung des AKW durch die französische Atomaufsichtsbehörde für notwendig, um zu klären ob Nachrüstung sinnvoll oder die dauerhafte Stilllegung die bessere Variante wäre! Das steht in seinem Bericht!

Stattdessen hat der neue Direktor des AKW Cattenom – der alte ist letztes Jahr in die EDF Zentrale weggelobt worden – hat dieser neue Direktor Guy Catrix gegenüber der Saarbrücker Zeitung erklärt:

  • Das AKW Cattenom kann insgesamt 60 Jahre bis 2045 laufen!
  • Von 2016 – 2022 sollen ca 4 Milliarden € in die Anlage investiert werden – unter anderem auch in die Sicherheit!

Das AKW Cattenom ist jetzt schon eine tickende Zeitbombe!
Dieser Meiler muss stillgelegt werden, bevor er in die Luft fliegt!

Auch führende Politiker im Saarland und in Rheinland-Pfalz, der Stadtrat Trier, der Kreistag Trier-Saarburg fordern die Stilllegung des AKW Cattenom. Bundeskanzlerin Merkel wurde von Mitgliedern ihrer eigenen Partei aufgefordert, sich bei der französischen Regierung für die Stilllegung des AKW Cattenom einzusetzen.

Merkels Antwort:
Sie könne sich nicht in die französische Energiepolitik einmischen!

Diese „französische Energiepolitik“ kann Luxemburg, das Saarland und unsere Region in eine radioaktiv verseuchte Sperrzone verwandeln!
Deswegen muss sich die Bundesregierung, müssen wir alle uns in die französische Energiepolitik einmischen!

Aber es ist natürlich für Merkel schwierig, AKW Stilllegung zu fordern, wenn sie selbst den Weiterbetrieb von AKWs unterstützt, die auch nicht gegen Flugzeugabstürze, Hochwasser und dergleichen gesichert sind, so wie es bei den AKW Brokdorf, Neckarwestheim, Phillipsburg usw. der Fall ist.

In Fukushima ist bitterer Ausnahmezustand Normalität. Tchernobyl, 1200 km entfernt, hatte seine radioaktive Fracht bis zu uns und noch weiter getragen. Das ist keine Schwarzmalerei sondern leidvolle Erfahrung!
Es gibt keine Rechtfertigung, irgendein AKW – sei es in Deutschland, in Frankreich oder im belgischen Tihange noch einen Tag länger zu betreiben.

Atomstrom dient nur dem Profit der großen Energiekonzerne, die sich aber aus der Verantwortung stehlen, wenn es um Haftung oder um das strahlende Erbe Atommüll geht.

Strom aus erneuerbaren Energien hat Strom billiger gemacht. Sonne und Wind schicken keine Rechnung. Wenn die Sonne im Sommer scheint, deckt Solarstrom allein schon den aktuellen Energiebedarf. 2012 hat Deutschland so viel Strom wie noch nie exportiert.
Nur weil die Bundesregierung nach wie vor Politik für RWE, Eon und Konsorten macht und immer neue Subventionen für Industrie und Großkonzerne auf den Strompreis für die Endverbraucher legt, wird für uns der Strom teurer, während gleichzeitig Strom an der Strombörse billig wie nie zuvor gehandelt wird.

Wir brauchen keine Stromautobahnen, keine Offshore Windparks und erst recht keine Kohle- und Atomkraftwerke, sondern dezentrale Energieerzeugung in kommunaler und Bürgerhand.

Lasst uns weiterhin Druck für die Stilllegung von Cattenom machen!
Abschaltung aller Atomanlagen!
Für eine echte dezentrale Energiewende mit erneuerbaren Energien!

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