Bericht von der Kundgebung zu 5 Jahre Fukushima auf dem Kornmarkt in Trier

By | 16/03/2016

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Das Anti-Atom-Netz Trier hatte für den 11. März auf dem Kornmarkt in Trier zum Gedenken an den dreifachen Super-GAU in Fukushima und seine Folgen aufgerufen. Mehr als 100 Atomkraftgegnerinnen und Atomkraftgegner folgten dem Aufruf und mahnten und protestierten zu Redebeiträgen und Musik gegen das grenznahe AKW in Cattenom und das geplante Endlager in Bure 150km von Trier entfernt, gegen die deutsche Atompolitik und für eine ökologische Energiewende in Bürgerhand.

Thomas Heinen vom Anti-Atom-Netz Trier berichtete in der ersten Rede von neuesten Informationen aus Japan: „Wie sieht die Realität in Fukushima heute eigentlich aus? Die wirtschaftlichen Kosten des Super-GAUs für Japan werden auf 100 Milliarden Dollar geschätzt, wie hoch sie wirklich sind weiß niemand! Etwa 100.000 Menschen leben auch 5 Jahre nach der Katastrophe noch in Notunterkünften. Immer mehr Kinder und Jugendliche erkranken an Krebs, einige ehemalige Arbeiter des AKW Fukushima sind schon an Leukämie erkrankt. Doch es gibt auch gute Neuigkeiten: zwei von vier wieder angefahrenen Reaktoren in Japan mussten aufgrund eines Gerichtsurteils wieder abgeschaltet werden und die erneuerbaren Energien sind auch in Japan auf dem Vormarsch! Wir fordern die Abschaltung auch der beiden übrigen Reaktoren! Japan muss atomstrom-frei bleiben!“ Nach einer Gedenkminute schloss er seine Rede mit dem Appell: „Lasst uns die Katastrophe in Fukushima nie vergessen und lasst uns gemeinsam dafür kämpfen, dass alle Atomkraftwerke weltweit abgeschaltet werden, damit so etwas nie wieder geschehen kann!“

IMG_20160311_172613189Anschließend spannte Elisabeth Quaré vom MAUS e.V. den Bogen von Japan zur aktuellen Politik in Deutschland: „Es gibt Politikerinnen und rechte Gruppen, die auf Stimmenfang gehen, indem sie Ängste vor einer Flüchtlingskrise schüren. Ich habe keine Angst vor Flüchtlingen. Im Gegenteil, diese Menschen brauchen unsere Hilfe. Aber ich habe Angst, selbst zum Flüchtling zu werden. Zum Flüchtling nach einem GAU im AKW Cattenom oder im rissigen belgischen AKW Thiange! Radioaktivität kennt keine Grenzen. Eine Kernschmelze im AKW Cattenom wie in Fukushima würde das Land Luxemburg von der Landkarte verschwinden lassen und unsere Region unbewohnbar machen!“ In Bezug auf die Atommüllproblematik forderte Quaré: „Wir bestehen auf dem Verursacherprinzip: Die Atomkonzerne müssen auch für den Atommüll aufkommen! Die Rückstellungen müssen in einen öffentlichen Fond überführt werden! Wir fordern eine unbegrenzte Nachschusspflicht für die Atommüllkosten und lehnen die geplante Steuerbefreiung für Atomkraftwerke strikt ab!“

Abschließend sprach Fabrizio Barbi vom Anti-Atom-Netz Trier über Atommüll-Transporte, die auch regelmäßig durch Trier fahren: „Die Atomlobby behauptet, dass Atomanlagen CO2-neutral seien, und verschweigt dabei die massiven Energie- und Rohstoffkosten, die für die Herstellung der Brennstäbe nötig sind. Dazu kommen die zahlreichen Transporte, die zum Teil um den ganzen Globus führen. Zudem fällt bei jeder der vielen Umwandlungen des Urans zusätzlicher Müll an, der ebenfalls gelagert werden muss. Was in den sogenannten Castorbehältern transportiert wird, ist nur ein verschwindend kleiner Teil des Mülls, der bei der Uranverarbeitung entsteht. Wir fordern: Schluß mit den Lügen! Die Öffentlichkeit muss erfahren, dass Atomkraft auch CO2 erzeugt, viel mehr Müll anfällt als vielen bekannt ist und regelmäßig Transporte mit radioaktivem Material mitten durch dichtbesiedelte Gebiete führen. Nur Erneuerbare sind der Weg in eine saubere Zukunft! Trier muss sich wehren gegen Urantransporte durchs Stadtgebiet! Alle Atomtransporte stoppen!“

IMG_20160311_172610876Zwischen den Redebeiträgen spielten sowohl Reinhard Hallwachs als auch Paul Hilger von Strings’n’Stories. Außerdem trug Ortsbürgermeister Richard Pestemer aus Neunkirchen im Hunsrück vier japanische Kurzgedichte zu Cattenom, Fukushima, Tschernobyl und der deutschen Energiewende vor.