Trier, 03. März 2026 – Zum 15. Jahrestag der verheerenden Reaktorkatastrophe von Fukushima ruft das Antiatomnetz Trier am Mittwoch, den 11. März 2026, ab 16:00 Uhr zu einer Mahnwache „Am Pranger“ in Trier auf. Die zentrale Botschaft in diesem Jahr richtet sich direkt an die Politik vor der eigenen Haustür: Fukushima ist eine unmissverständliche Warnung, die geplante Laufzeitverlängerung des Pannen-AKW Cattenom sofort zu stoppen.
Das nur wenige Kilometer von Trier entfernte französische Atomkraftwerk Cattenom soll nach dem Willen der Betreiber mindestens weitere zehn Jahre am Netz bleiben. Das Antiatomnetz Trier nutzt den Fukushima-Jahrestag, um massiv für die neu gestartete Petition der Kampagne „STOPP CATTENOM“ zu mobilisieren.
„Wir dürfen nicht warten, bis das Unvorstellbare eintritt. Das Kernkraftwerk Cattenom gehört zu den riskantesten Atomkraftwerken Europas. Spätestens seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima wissen wir, dass auch in hochtechnisierten Ländern schwere Atomunfälle Realität werden können – mit langfristigen, grenzüberschreitenden Folgen. Eine Laufzeitverlängerung wäre ein Spiel mit der Sicherheit von Millionen Menschen in der Region.“, erklärt Marianne Rummel vom BUND Trier-Saarburg als Mitinitiatorin der Kampagne.
Die Warnung aus Japan: Exklusives Material und ein eindringlicher Appell
Wie real diese Gefahr ist, zeigt der Blick nach Japan. Vor 15 Jahren führten Erdbeben und Tsunami dort zu mehrfachen Kernschmelzen. „Die Behörden, die einst gesagt hatten, es würde niemals einen Atomunfall geben, haben nach dem GAU kurzerhand den Grenzwert für Strahlung gelockert. Die Regierung will die negativen Folgen verharmlosen und vertuschen“, mahnt die japanische Aktivistin Yu Kajikawa von der Initiative Sayonara Nukes Berlin in ihrem aktuellen Grußwort an die Trierer Aktion.
Das erste und bleibende Opfer von menschengemachten Katastrophen sei die Wahrheit, so Kajikawa weiter. Offiziell gebe es noch immer über 26.000 Evakuierte, während in der Präfektur über 410 Jugendliche an Schilddrüsenkrebs erkrankt seien – ein Zusammenhang, der offiziell stets geleugnet werde. Die Aktivistin warnt die Menschen in der Grenzregion: „Deutschland ist umgeben von uralten und maroden Atomkraftwerken. Wenn sich ein schwerer Unfall ereignet, hätten wir genauso verheerende Folgen. Radioaktive Wolken kennen keine Grenze.“
Um der Verharmlosung entgegenzuwirken, verteilt das Antiatomnetz auf der Mahnwache kostenlos eine neue, 16-seitige Broschüre, die auch online verfügbar ist. Darin berichten fünf Akteur_innen direkt aus Japan – darunter eine Ärztin, ein Strahlenphysiker und eine bis heute als „Geflüchtete“ lebende Mutter – ungeschönt über die Lage vor Ort, die von Deutschland aus kaum noch wahrgenommen wird.
Breites Bündnis, Petition und „Wahlcheck RLP“: Der Druck steigt
Auf der Mahnwache wird es nicht beim Gedenken bleiben. Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, sich am Stand zu informieren und direkt vor Ort oder online auf stop-cattenom.de die Petition gegen den Weiterbetrieb von Cattenom zu unterzeichnen. Diese hat innerhalb nur einer Woche schon über 600 Unterstützer_innen gefunden und wird von einem starken, grenzüberschreitenden Bündnis aus derzeit bereits rund 20 Organisationen getragen – darunter Schwergewichte wie Greenpeace Luxembourg, der BUND Rheinland-Pfalz, die friedensnobelpreisgekrönte Ärzteorganisation IPPNW sowie Aktivist_innen aus Frankreich. Darüber hinaus steht die Kampagne im Austausch mit der luxemburgischen „Alliance des communes“ und möchte eine ähnliche, grenzüberschreitende Vernetzung deutscher Städte und Gemeinden gegen Cattenom aktiv fördern.
Zudem kündigt das Antiatomnetz an, pünktlich zur Mahnwache die Ergebnisse des „Wahlchecks RLP 2026“ zu präsentieren. Alle regionalen Kandidat_innen für die kommende Landtagswahl (22. März) wurden mit Wahlprüfsteinen konfrontiert. Das Bündnis fordert, konkrete Schritte zur Stilllegung von Cattenom zur Bedingung in möglichen Koalitionsverhandlungen zu machen. Markus Pflüger ergänzt dazu: „Die Parteien müssen alle Hebel gegen die Laufzeitverlängerung in Bewegung setzen – von Risikostudien und grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfungen über rechtliche Klagen bis hin zur aktiven Förderung gemeinsamer Erneuerbare-Energien-Projekte in der Großregion. Die Wählerinnen und Wähler haben ein Recht darauf zu erfahren, wer sich verbindlich für den Schutz der Bevölkerung einsetzt.“
Wann: Mittwoch, 11. März 2026, ab 16:00 Uhr
Wo: Am Pranger, Trier
Weitere Infos, Petition, Wahlcheck & Info-Broschüre Fukushima:
Über das Antiatomnetz Trier: Das Anti-Atom-Netz Trier ist ein überparteilicher Zusammenschluss von ehrenamtlich engagierten Atomkraftgegner_innen der Region Trier und setzt sich für die Abschaltung aller Atomanlagen und eine nachhaltige Zukunft mit erneuerbaren Energien ein.
Hintergrund: Die Kampagne „STOPP CATTENOM“ wird aktuell (Stand 03.03.2026) unterstützt von: