Obscurage Juni/Juli 2019

By | 12/08/2019
Allgemeine Hinweise zum Verständnis der „Eclairages“

In dieser Spalte findet Ihr meine ganz persönliche Einschätzung dessen, was da in den Verlautbarungen steht. Vor allem der propagandistische Zweck geht gut aus den nicht informativen Teilen hervor, die dann an dieser Stelle nicht übersetzt, sondern kommentiert werden.
Eclairage vom 20.-26.7.
Produktion In der Nacht vom 19. auf den 20. Juli wurde Block 3 plangemäß abgeschaltet. Während der Abschaltung soll ein Drittel der Brennelemente ausgetauscht werden und es sollen fast 10.000 Instandhaltungs- und Kontroll-„Aktivitäten“ durchgeführt werden. Außerdem sollen fast 40 Änderungen vorgenommen werden mit dem Ziel einer ständigen Verbesserung der Sicherheit. In der Nacht vom 25. auf den 26. Juli 2019 wurde Block 4 von den Reaktorfahrern des Kraftwerks Cattenom aufgrund des Ausfalls der Stromzufuhr bei einem Elektronik-Schaltschrank außerhalb des nuklearen Teils der Anlagen abgeschaltet. Laut Betriebsvorschriften ist in einer solchen Situation die Abschaltung des betreffenden Blocks vorgesehen.



Bei den „Aktivitäten“ wird wohl jeder Handgriff einzeln gezählt.
Leider wird das Ziel nicht immer erreicht.


Schon wieder ein Schaltschrank. Die Hitze macht denen offenbar schwer zu schaffen.
Signifikantes Vorkommnis Am 23.7. wurde der ASN ein Vorkommnis der Stufe 0 gemeldet, weil für die Dauer von weniger als 24 Stunden ein Aufzeichnungsgerät zur Messung der Radioaktivität in Sekundärkreislauf von Block 3 nicht verfügbar war. Dies wurde am 21.7. entdeckt und das Gerät repariert.
Da frage ich mich, woher sie wissen, seit wann das Gerät ausgefallen war. Dass sie es exakt 24 vorher noch kontrolliert hatten, halte ich doch für unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass bei einem Ausfall von über 24 Stunden die Sache nicht mehr als Stufe 0 eingestuft werden kann.
Sicherheit Das betriebseigene Einsatzteam musste auf einer Kondensator-Baustelle in Block 3 eingreifen. Bei Sägearbeiten waren Funken auf den staubigen Boden gefallen. Es wurde ein Feuerlöscher eingesetzt. Die herbeigerufene Feuerwehr bestätigte, dass es nicht brannte.
Unglaublich, mit welcher Phantasie sie es immer wieder schaffen, nicht die Worte „Brand“ oder „brennen“ zu benutzen. In diesem Fall wird nur gesagt, dass ein Feuerlöscher benutzt wurde, also muss es ja wohl gebrannt haben. Noch absurder ist allerdings der bei Schmorbränden immer benutzte Ausdruck, es sei ein „heißer“ Geruch bemerkt worden.
Information Es wird darauf hingewiesen, dass der Motor des Notstromdiesels von Block 2 seit dem 23.7. Belastungstests unterzogen wird und das zu Lärm führen kann.
Vorübergehende Einschränkung des Zugangs zum Mirgenbachsee Seit dem 25.7. ist der Zugang zum Mirgenbachsee eingeschränkt. Der See dient der Kühlung der Anlage. Normalerweise darf er aber sonst zu Freizeitzwecken genutzt werden. Da die Mosel zur Zeit Niedrigwasser führt (weniger als 18,5m3/Sek.) schränkt das AKW die Entnahme aus der Mosel ein und greift auf den See zurück. Dies kann dazu führen, dass sich im See „Behandlungsprodukte“ konzentrieren, die in den Kondensatoren zur Bekämpfung von Mikroorganismen eingesetzt werden. Sobald die Mosel kein Niedrigwasser mehr führt, soll der See wieder freigegeben werden.





Hervorhebung von mir.
Kasten rechts: Wussten Sie schon? Hier wird der Gendarmerie für ihren unermüdlichen Einsatz zum Schutz der AKWs gedankt, die seit 10 Jahren 24h/24h und 7/7 mit einer Spezialeinheit die AKWs bewachen. Wenn dann die Leute von Greenpeace aufs Betriebsgelände gelangen, sind die Gendarmen wohl immer gerade im Urlaub in St. Tropez.
Eclairage vom 13.-19.7.
Produktion Block 1 ist seit dem 11.5. zwecks Wartung und Brennelementewechsel abgeschaltet. Die Blöcke 2-4 laufen.
Signifikantes Vorkommnis Am 12.7. wurde der ASN folgendes Vorkommnis der Stufe 0 gemeldet: Nichtverfügbarkeit des automatischen Verschlusses eines Wasserzufuhrventils des Notzufuhrkreislaufs von Block 2. Dies wurde am 11.7. im Rahmen eines regelmäßigen Tests festgestellt, der Verschluss wurde repariert.
Sicherheit des Personals Die Feuerwehr wurde zwei Mal gerufen. Am 19. wurde einem Leiharbeiter schlecht, der ins Krankenhaus gebracht wurde. Am 17. Juli wurde Rauchentwicklung an einem Schaltkasten in einem Raum der nuklearen Zone von Block 3 festgestellt. Der Schaltkasten wurde vom Netz genommen. Die Feuerwehr stellte fest, dass es nicht brannte.
Eclairage 6.-12.7.

Produktion Block 1 ist seit dem 11.5. zwecks Wartung und Brennelementewechsel abgeschaltet. Die Blöcke 2-4 laufen.
Signifikantes Vorkommnis Am 9.7. wurde ein signifikantes Umweltvorkommnis gemeldet. Grund: Austritt von Kühlflüssigkeit aus einer Klimaanlage von Block 3.
Sicherheit des Personals Am 10.7. wurde Rauchentwicklung an einem Schaltkasten in einem Raum der nuklearen Zone von Block 1 festgestellt. Der Schaltkasten wurde vom Netz genommen. Die Feuerwehr stellte fest, dass es nicht brannte. Nein, nicht derselbe Vorfall wie eine Woche später, allerdings wieder ein Schaltkasten, wieder in der nuklearen Zone, aber diesmal in Block 1.

Eclairage 22.-28.6.
Produktion Block 1 ist seit dem 11.5. zwecks Wartung und Brennelementewechsel abgeschaltet. Block 2 wurde in dieser Woche 3x vom Netz genommen, um Wartungsarbeiten an der Turbine vorzunehmen. Durch diese soll gewährleistet werden, dass die Stromerzeugung des Blocks an die aktuellen Schwankungen des Verbrauchs im Stromnetz angepasst werden kann. Die Turbine befindet sich im Maschinenhaus (außerhalb des nuklearen Teils der Anlagen). In der Nacht vom 25./26.6. wurde gemäß den Betriebsvorschriften ein Elektronik-Schaltschrank in Block 4 wegen eines Wartungseinsatzes an der Stromzufuhr abgeschaltet. Die Stromzufuhr wurde repariert, Block 4 ging in der Nacht vom 26./27. wieder ans Netz. Außerdem wird angekündigt, dass Block 4 am 28.6. vom Netz genommen wird, um einen vorgeschriebenen Test vorzunehmen. Dieser soll sicherstellen, dass im Fall einer Störung des nationalen Verteilungsnetzes die autonome Stromversorgung des Blocks gewährleistet ist und dass er mittels einer externen Stromzufuhr wieder angefahren werden kann.
Signifikantes Vorkommnis Am 28.6. wurde der ASN ein Vorkommnis der Stufe 0 gemeldet, weil die Stromversorgung eines Schaltschranks in der Nacht vom 25./26.6. unterbrochen war (siehe Abschnitt Produktion).
Eclairage vom 1.-6.6.
Produktion Block 4 hat sich heute gegen 14.30 Uhr nach dem Ausfall der Hauptturbine (im nichtnuklearen Teil) automatisch abgeschaltet. Es werden technische Kontrollen durchgeführt. Block 1 ist seit dem 11.5. zwecks Wartung und Brennelementewechsel abgeschaltet. Die Blöcke 2 und 3 laufen.
Signifikantes Vorkommnis Am 6.6. wurde der ASN ein Strahlenschutz-Vorkommnis gemeldet. Grund: Überschreitung einer Kennzeichnung des Gesamtmessungsausschlags für Radioaktivität durch einen Beschäftigten bei Beginn der Aktivität.

Mit der „Aktivität“ ist dann wohl der Beschuss mit den Gammastrahlen gemeint.
Sicherheit Am 2. Juni kam es in einem Dampfgenerator von Block 1, der gerade mit einer Reinigungslösung gesäubert wurde, zu einem Druckabfall, sodass Ammoniak in der Luft bemerkt wurde. Die anwesenden Mitarbeiter wurden von der herbeigerufenen Feuerwehr untersucht. Einige Intervenierende wurden durch den Ammoniak „belästigt“.
Am Dienstag, 4. Juni 2019 sind die Mitarbeiter des Kernkraftwerks Cattenom gegen 12.00 Uhr in einem Betriebsgebäude von Block 1* aufgrund einer Rauchentwicklung im Verlauf der Erstinbetriebnahme eines Ofens zum Erwärmen von Teilen in einer Wartungswerkstatt in der kontrollierten Zone tätig geworden. Vorbeugend wurde ein Feuerlöscher eingesetzt.

Verfahrensgemäß wurde die Feuerwehr gerufen. Die externen Kräfte haben gemeinsam mit den Mitarbeitern des Kraftwerks die Sachlage eingehend geprüft und kein Feuer festgestellt. Sie haben alsdann den Einsatzort verlassen.






Wahrscheinlich war ihnen eher richtig schlecht, aber so drastisch mag man das ja nicht formulieren.
Von der Website kopiert.
Eclairage 8.-14.6.

Produktion In der Nacht vom 12. auf den 13. Juni 2019 wurde Block 4 wieder ans nationale Stromnetz angeschlossen. Er hatte sich am Freitag, den 7. Juni, infolge einer Abschaltung der Hauptturbine im nicht nuklearen Teil der Anlagen automatisch abgeschaltet. Ursache hierfür war das Eindringen von Luft in den Kondensator, das den Betrieb des Sekundärteils (nicht nuklearer Teil) der Anlage verhinderte.
Block 1 ist aktuell seit Samstag, dem 11. Mai 2019, zu Wartungszwecken und für einen Brennelementewechsel planmäßig abgeschaltet. Die Blöcke 2 und 3 speisen Strom in das französische Versorgungsnetz ein.
Von der Website kopiert.



Signifikantes Vorkommnis Am 11. Juni wurde der ASN ein Sicherheits-Vorkommnis der Stufe 0 gemeldet. Grund war der Verschleiß eines Verbindungsstücks zwischen der Zufuhr-Turbopumpe und dem Kondensator, was am 7.6. zur automatischen Abschaltung von Block 4 geführt hatte.
Kasten rechts: EDF Cattenom unterstützt ein Dorf in Nepal … und zwar bei der Umsiedlung des Dorfs, das wegen der Klimaerwärmung höher verlegt werden muss. EDF spendet ein kleines Wasserkraftwerk. Alles sehr löblich. Noch löblicher wäre es allerdings, die im Niger und sonstwo vom Uranabbau betroffenen Einheimischen zu entschädigen, statt dort weiterhin Raubbau zu betreiben.
Eclairage vom 15.-21.6.

Produktion Block 1 ist seit dem 11.5. zwecks Wartung und Brennelementewechsel abgeschaltet. Die Blöcke 2, 3 und 4 laufen.
Signifikantes Vorkommnis Meldung eines signifikanten Vorkommnisses der Stufe 0 im Rahmen der Festlegung der Verfahren für das Vorgehen bei Störfällen Kann das Abklingbecken des Brennelementegebäudes nicht mehr ausreichend gekühlt werden, so sieht eine für den Sicherheitsnachweis geltende Bestimmung eine manuelle Ergänzungsbewässerung vor. Dies gilt, wenn das Risiko besteht, dass die Brennelemente in den nächsten 24 Stunden nicht mehr bedeckt sind. Die Betriebsvorschriften mehrerer Reaktoren, darunter auch diejenigen in Cattenom, bei denen bereits die 3. Zehnjahresinspektion stattgefunden hat, sahen diese Ergänzungsbewässerung jedoch nicht ausdrücklich für den Fall vor, dass ein Totalausfall der Stromversorgung zu einer Erwärmung des Abklingbeckens führt. Ergänzende Vorschriften würden jedoch die Mitarbeiterteams dazu veranlassen, diese Ergänzungsbewässerung vorzunehmen, bevor die Gefahr einer Nichtbedeckung der Brennelemente besteht. Dieses Vorkommnis wurde der ASN am 14.6. als generisches Ereignis der Stufe 0 gemeldet.













Das klingt alles sehr konfus. Gemeint ist wohl: Unsere Betriebsvorschriften sehen diesen Fall zwar nicht vor, aber wir sind sicher, dass sich unsere Mitarbeiter auch ohne ausdrückliche Vorschrift richtig verhalten würden.