In der aktuellen politischen Debatte und in den Medien wird die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Öl und Gas unermüdlich diskutiert. Angesichts des Krieges in der Ukraine ist die Suche nach Alternativen zu fossilen Brennstoffen aus Russland zu einem zentralen Thema geworden. Doch in dieser Diskussion wird ein entscheidender Aspekt fast vollständig ausgeblendet: die Abhängigkeit der Atomkraft von russischem Uran.
Auch wenn die letzten Atomkraftwerke in Deutschland planmäßig abgeschaltet wurden, besteht die deutsche Verflechtung in der globalen atomaren Lieferkette fort. Die Urananreicherungsanlage in Gronau und die Brennelementefabrik in Lingen sind dabei zentrale Drehscheiben. Sie verarbeiten Uran, das oft aus Ländern wie Russland stammt, und sind damit wichtige Knotenpunkte in einem Geschäft, das nicht mit den deutschen Meilern endet.
Besonders brisant ist dabei die Rolle des russischen Staatskonzerns Rosatom. Framatome, der Betreiber der Brennelementefabrik in Lingen, verfolgt Pläne für ein Joint Venture mit Rosatom. Dieses Joint Venture soll Brennelemente für Reaktoren russischer Bauart herstellen, die in osteuropäischen EU-Ländern in Betrieb sind. Trotz des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine wird diese Kooperation politisch vorangetrieben, was erhebliche Bedenken hinsichtlich der geopolitischen Abhängigkeit und der Sicherheit aufwirft. Kritiker_innen weisen darauf hin, dass die Zusammenarbeit mit Rosatom indirekt den Kreml stärkt und eine Gefährdung der inneren und äußeren Sicherheit darstellt.
Diese Lücke in der öffentlichen Diskussion ist bemerkenswert und wird bewusst von der Atomlobby und ihren politischen Fürsprecher_innen aufrechterhalten. Es ist ein Versuch, das Narrativ der Atomkraft als „saubere“ und „sichere“ Energiequelle aufrechtzuerhalten, ohne die geostrategischen Risiken anzusprechen.
Das Anti-Atom-Netz Trier fordert daher eine ehrliche Debatte. Es reicht nicht aus, nur über die Abhängigkeit von Öl und Gas zu sprechen. Wir müssen auch die Uranabhängigkeit thematisieren, um eine wirklich unabhängige und nachhaltige Energiepolitik zu gestalten. Denn nur eine Energiewende, die konsequent auf erneuerbare Energien setzt, kann uns von den geopolitischen Fesseln fossiler und atomarer Energieträger befreien.
Weitere Infos: Atomfabrik Lingen schließen!
