PRESSEMITTEILUNG: Cattenom-Wahlcheck entlarvt: CDU, Freie Wähler und BSW ignorieren Atom-Bedrohung weitgehend

Wahlcheck zur Landtagswahl: Sicherheit der Region Trier im Fokus

Trier, 09. März 2026. Wer schützt unsere Region vor der drohenden Laufzeitverlängerung des AKW Cattenom? Das Ergebnis des heute veröffentlichten „Wahlcheck RLP 2026“ der Kampagne „STOPP CATTENOM!“ offenbart einen tiefen parteipolitischen Graben: Während Grüne, Linke und SPD mit klaren Zusagen für den nächsten Koalitionsvertrag punkten, verweigern CDU, Freie Wähler und BSW in der Region Trier weitgehend die Antwort auf kritische Sicherheitsfragen. Initiiert durch das Antiatomnetz Trier (AAN), den BUND Trier-Saarburg und den MAUS e.V., wurden insgesamt 55 Kandidat_innen aller demokratischen Parteien aus sieben Wahlkreisen mit acht Kernfragen konfrontiert.

Im Fokus der Auswertung standen drei entscheidende Säulen für die kommende Legislaturperiode:

  • Verbindlichkeit: Wird der Einsatz für die Stilllegung zur harten Bedingung für den Koalitionsvertrag?
  • Ehrlichkeit: Gibt es eine unabhängige Prüfung der unrealistischen Evakuierungs- und Katastrophenschutzpläne?
  • Glaubwürdigkeit: Können die Kandidat_innen eigenen persönlichen Einsatz im letzten Jahr nachweisen?

Die zentralen Ergebnisse der Analyse:

Totalausfall bei CDU und Freien Wählern (mit wenigen Ausnahmen)

Mit erschreckender Einigkeit ignorierten fast alle angeschriebenen Direktkandidat_innen der CDU (darunter Spitzenkandidat Gordon Schnieder, Wahlkreis Vulkaneifel) sowie der Freien Wähler die Anfragen der Zivilgesellschaft komplett. Sie erhielten in der Auswertung 0 Punkte. Wer sich den Sicherheitsfragen der Region verweigert, setzt ein fatales Signal.

Die Ausnahmen: Johannes Kölling (CDU, Wahlkreis Konz/Saarburg) brach massiv aus der Parteilinie aus (15 von 16 Pkt.). Bei den Freien Wählern meldeten sich lediglich Hugo Bader (Wahlkreis Bernkastel-Kues, 11 Pkt.) sowie Rudolf Rinnen (Wahlkreis Bitburg-Prüm, 2 Pkt.) zurück. Während Bader die politischen Forderungen weitgehend unterstützt, aber Wissenslücken beim Katastrophenschutz einräumte, verweigerte Rinnen jede inhaltliche Festlegung.

Klare Positionierung von Grünen, Linken, SPD und ÖDP

Die Kandidat_innen von Bündnis 90/Die Grünen und der Linken erzielten durchweg Spitzenwerte (15–16 Punkte) und machten den Stilllegungs-Einsatz zur Koalitionsbedingung. Auch die SPD (Landesverband sowie Einzelkandidat_innen wie Bettina Brück, Wahlkreis Bernkastel-Kues) positionierte sich mit 14 bis 15 Punkten stark. Die ÖDP-Kandidat_innen (14 Pkt) erzielten ebenfalls hohe Übereinstimmungen mit den Kampagnenzielen.

BSW-Totalausfall mit einer rühmlichen Ausnahme, FDP weicht aus

Ähnlich wie bei CDU und FW blieben fast alle BSW-Anfragen unbeantwortet. Einzig Thomas Sonnenschein (BSW, Wahlkreis Trier) erreichte 13 Punkte und benannte ungeschönt, dass Evakuierungspläne und Jodtabletten bei einem GAU reine „Scheinsicherheit“ böten. Die FDP (4 Punkte) verweist hingegen auf französische Souveränität und ignorierte die Frage nach der Energiezukunft (Frage 8) – ein klares Indiz für eine fehlende Ablehnung der Atomkraft unter dem Deckmantel der „Technologieoffenheit“.

Viel Lippenbekenntnis, kaum persönlicher Einsatz

Obwohl Frankreich sogar einen unlimitierten Weiterbetrieb von Cattenom über 50 Jahre hinaus anvisiert, offenbarte die Auswertung eine erschreckende Lücke beim persönlichen Engagement. Bis auf wenige Ausnahmen konnten die meisten Kandidat_innen keinerlei eigene Aktivitäten im letzten Jahr (Proteste, Anfragen) nachweisen. Lediglich Richard Pestemer (Die Linke, Wahlkreis Bernkastel-Kues) und Lena Weber (SPD, Wahlkreis Konz/Saarburg) erreichten als absolute Ausnahmen die Maximalpunktzahl von 16 Punkten durch belegbaren rezenten Einsatz gegen das Pannen-AKW.

Kritik an amtierender Landesregierung und Kommunalpolitik

Die Kampagne „STOPP CATTENOM!“ kritisiert die bisher fehlenden Ambitionen der amtierenden Ampel-Regierung sowie der regionalen Verwaltung, gegen die Laufzeitverlängerung von Cattenom wirklich aktiv zu werden. Trotz direktem Briefkontakt des Antiatomnetz mit Umweltministerin Katrin Eder (Grüne), der Stadt Trier und dem Kreis Trier-Saarburg seit Mai 2024 blieben spürbare diplomatische oder juristische Schritte aus. Wahlkampfversprechen müssen sich an dieser Untätigkeit der vergangenen Jahre messen lassen.

Gleichzeitig ruft das Bündnis dazu auf, die Petition stop-cattenom.de zu unterzeichnen, um den politischen Druck weiter zu erhöhen. Innerhalb von nur zwei Wochen haben dies schon weit über 4.000 Personen getan, auch aus Luxemburg.

Transparenz-Offensive: Neues interaktives Web-Dashboard
Um Wähler_innen und der Presse die Auswertung so zugänglich wie möglich zu machen, bietet das Bündnis ab sofort ein interaktives Online-Dashboard sowie eine druckfertige Bewertungsmatrix an. Dort lassen sich nicht nur die exakten Punktevergaben (nach einem transparenten Kriterienkatalog) filtern und vergleichen, sondern auch die ungekürzten Original-Stellungnahmen aller Kandidat_innen im Wortlaut nachlesen.

➡️ Direkt zum interaktiven Wahlcheck:
www.antiatomnetz-trier.de/wahlcheck-rlp-2026/

Hintergrund: Die Methodik
Jede_r Kandidat_in konnte in acht Fachfragen maximal 16 Punkte erreichen. Pro Frage wurden 2 Punkte für eine klare Zusage, 1 Punkt für eine vage Antwort und 0 Punkte für Ablehnung oder Ignorieren vergeben. Ein Ampelsystem visualisiert die Ergebnisse: Grün (12-16 Pkt.), Gelb (6-11 Pkt.), Rot (1-5 Pkt.) und Grau (0 Pkt.) für Antwortverweigerung.

„Die Ergebnisse entlarven schonungslos, wer bereit ist, die Sicherheit von hunderttausenden Menschen in unserer Region für politisches Taktieren und die Bewahrung einer maroden, hochverschuldeten Hochrisikotechnologie aufs Spiel zu setzen“, betont Markus Pflüger vom Antiatomnetz Trier. Elisabeth Quaré (MAUS) ergänzt: „Wir rufen die Wähler_innen auf, ihre Stimme am 22. März denen zu geben, die sich glaubhaft gegen die tickende Zeitbombe AKW Cattenom an unserer Grenze einsetzen.“

Marianne Rummel vom BUND Trier-Saarburg ruft dazu auf, das Thema aktiv anzusprechen: „Sprechen Sie Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie andere Politikerinnen und Politiker auf die geplante Laufzeitverlängerung des Kernkraftwerks Cattenom an – und bringen Sie das Thema auch im Freundes- und Bekanntenkreis, in Leserbriefen oder in sozialen Medien zur Sprache. Je mehr Menschen sich einmischen, desto größer wird der politische Druck – unsere Petition kann dazu zusätzlich beitragen.“