Renaissance Atomkraft?
Tschernobyl Mahnwache 25.04.2026
1. Wieder-Inbetriebnahme
Immer wieder spekulieren – insbesondere CDU Politiker, von der AFD ganz zu schweigen – über eine Renaissance der Atomkraft.
Erst letzte Woche hat der selbsternannte Experte für alles – Jens Spahn – mal wieder einen Pups losgelassen. Er möchte die letzten abgeschalteten Reaktoren wieder in Betrieb nehmen.
Spahn der mit seinen Maskendeals als Gesundheitsminister 3,4 Milliarden € von unseren Steuergeldern vergeudet hat, will wieder unser Geld verbrennen. Für 9 – 10 Milliarden € könne man die alten Reaktoren wieder in Betrieb nehmen.
Ist Nichtwissen eine Tugend für Politiker oder ist es Dummheit?
- braucht es eine Atomgesetzänderung im Bundestag,
- benötigten die alten Reaktoren eine neue Betriebsgenehmigung nach Atomrecht und die können jetzt gar nicht mehr bekommen, weil sie nicht dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik entsprechen.
- haben Rückbau und Demontage schon irreversibel begonnen, und
- wollen die Betreiber RWE, EON und ENBW nichts Anderes, als die alten Dinger so schnell wie möglich vom Hals haben.
Das wird allerdings bei den hochradioaktiven Teilen Jahre, wenn nicht Jahrzehnte brauchen.
Denn ein Endlager für hochradioaktiven Müll steht noch in den Sternen.
2. Neue Reaktoren
Aber man könnte ja neue Atomreaktoren bauen – davon spricht die Regierung in Frankreich, dem Land mit der höchsten Staatsverschuldung in Europa.
Der letzte und einzige neu gebaute Reaktor in Frankreich ist der EPR Flammanville – Baubeginn 2007.
Er sollte als größter und sicherster Reaktor das Vorzeigemodell sein. Tatsächlich sind die Baukosten von geplanten 3,3 Milliarden € auf 13 Milliarden explodiert und er ist erst nach 17 Jahren Bauzeit im Dezember 2024 in Betrieb gegangen. Und zwar mit erwiesenen Mängeln, so dass er noch dieses Jahr im September für 350 Tage zwecks Komponentenaustausch von Netz gehen wird. Welch eine Blamage für den staatlichen Stromkonzern EDF!
3. SMR
Aber das Zauberwort heißt ja neuerdings SMR – Small Modular Reaktor!
Als könnte man Atomreaktoren wie Fertighäuser bauen.
Das Problem ist: Es gibt sie noch gar nicht. Was es gibt, sind Konzerne und Start ups, die Milliarden an Steuergeldern für ihre Luftschlösser abgreifen.
Bisher stehen alle SMR (konventionelle Leichtwasserreaktoren) oder AMR (Advanced Modular Reaktor – benutzt andere Moderatoren als Wasser) nur auf dem Papier oder, wenn es ein ausgereifteres Konzept gibt, würde es so teuer, dass die Geldgeber abwinken.
Denn abgesehen davon, dass Atommüll- und Sicherheitsprobleme ausgeblendet werden – sie sind einfach unwirtschaftlich.
Nur Erneuerbare Energien sind konkurrenzlos billig – und, wie man angesichts des von den USA angezettelten Kriegs gegen den Iran sieht: die einzige Energieform, die unabhängig von Despoten und preistreiberischen Konzernen macht.
Deswegen keine EU und Bundesmittel in Atom- und Gas-Projekte!
Ausbau der Erneuerbaren Energien und Förderung von Speichertechnologien
„Die Lichter gehen aus!“
Das wollte man uns in den 1970ger Jahren weismachen, wenn AKW nicht gebaut würden.
Vor drei Jahren wurden die letzten AKW in Deutschland abgeschaltet und trotzdem gingen die Lichter nicht aus.
Jetzt – angesichts des Siegeszugs der Erneuerbaren Energien – wird gerne die Dunkelflaute beschwört.
Die Realität ist, dass Strom aus Sonne und aus Wind sich wunderbar ergänzen. Leider haben die meisten Bundesregierungen und manche Landesregierungen den zügigen Ausbau der Erneuerbaren und den Netzausbau stark behindert, sonst wären wir heute noch unabhängiger von Gasimporten.
Und es müssten nicht Windräder in Norddeutschland abgeregelt werden, weil die Stromleitungen „verstopft“ sind, obwohl dieser Strom in Süddeutschland gebraucht würde.
Das wird doppelt bezahlt, denn die Betreiber der abgeregelten Windräder müssen entschädigt werden.
Strom ist in Deutschland für Privatkunden relativ teuer, weil 60 % des Preises pro KiloWattstunde Steuern, Abgaben und Netzentgelte ausmachen. Das liegt nicht an Sonne und Wind, die sind umsonst, sondern an der Politik.
Fakt ist, dass die Stromerzeugung in Deutschland von den Folgen des Angriffskrieges der USA gegen den Iran relativ wenig betroffen ist. Sonne und Wind kann man nicht zerbomben oder blockieren.
Oder importieren wir jetzt Atomstrom aus Frankreich? Im Gegenteil, der staatliche französische Stromkonzern EDF beschwert sich, weil er trotz des geringen Anteils an Windrädern und Solaranlagen in Frankreich je nach Wetterbedingungen (viel Wind oder viel Sonne) die AKW modulieren, das heißt an den Strombedarf anpassen muss. Das fördert den Verschleiß der maroden AKW zusätzlich.
Und die Reaktoren des AKW Cattenom müssen besonders viel moduliert werden, weil der Strom aus Erneuerbaren aus Deutschland so viel günstiger ist.
Denn in der Stromindustrie gilt: Das Billigste wird gekauft. Importiert wird nicht aus Mangel sondern aus ökonomischer Rationalität.
Sinnvolle Speichertechnologie ist die Strategie zur Ergänzung des weiteren Ausbaus der Erneuerbaren, die weltweit die stagnierenden Atomindustrie längst überholt haben.
Elisabeth Quaré