Pressemitteilung: Ernstfall-Übung in Cattenom: Anti-Atom-Bündnis fordert unabhängige Evakuierungsstudie von neuer Landesregierung

Pressemitteilung

Antiatomnetz Trier | BUND LV RLP  | Bündnis STOPP CATTENOM

Ernstfall-Übung in Cattenom: Anti-Atom-Bündnis fordert unabhängige Evakuierungsstudie von neuer Landesregierung

BUND und Antiatomnetz Trier zur Katastrophenschutzübung am 4./5. Juni: Laufzeitverlängerung trotz neuer Korrosionsrisiken unverantwortlich +++ Drohnen, Cyberangriffe und Kühlwasser-Mangel machen Reaktoren unkontrollierbar +++ Solidarischer Appell an ganz Rheinland-Pfalz und das Saarland

Trier, 22. Mai 2026 – Anlässlich der für den 4. und 5. Juni angekündigten Katastrophenschutzübung im französischen Atomkraftwerk (AKW) Cattenom warnen der BUND Rheinland-Pfalz und das regionale Antiatomnetz Trier vor einer gefährlichen Beruhigungspolitik. Die Simulation eines schweren Unfalls belegt aus Sicht der Organisationen, dass das Risiko eines Super-GAUs eine reale Bedrohung bleibt.

Der Widerspruch der Laufzeitverlängerung

„Wer die Laufzeit der vier fast 40 Jahre alten Reaktoren um weitere Jahrzehnte verlängern will, muss der Bevölkerung gleichzeitig erklären, warum immer größere Katastrophenschutzübungen notwendig werden“, betont Marianne Rummel vom BUND Rheinland-Pfalz. Der sicherste Katastrophenschutz für die Großregion sei und bleibe die sofortige Abschaltung von Cattenom, so das Aktionsbündnis. Statt behördlicher Beruhigungsprosa sei echte Transparenz sowie eine stärkere Einbindung der betroffenen Bevölkerung in Deutschland und Luxemburg zwingend erforderlich. Es brauche eine gemeinsame Kraftanstrengung für echten Klimaschutz und den konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien in der Großregion.

Sorge vor neuen Korrosionsschäden

Markus Pflüger vom Antiatomnetz Trier warnt eindringlich davor, den Ernstfall als kontrollierbar darzustellen: „Die Realität hat die alten Sicherheitskonzepte längst überholt. Nehmen wir das Problem der Spannungsrisskorrosion, also die Gefahr von Haarrissen in den Sicherheitsleitungen: In Cattenom mussten deshalb bereits Rohre des Notkühlsystems ausgetauscht werden. Aktuelle Berichte aus dem französischen AKW Civaux aus der 1450 MW Baureihe belegen jedoch, dass an bereits sanierten Rohrleitungen extrem schnell neue Schäden auftreten. Expert_innen vermuten, dass das ständige Hoch- und Herunterfahren der Reaktoren zur Anpassung an das moderne Stromnetz die alten Leitungen physisch überlastet. Diese alten Reaktoren sind für die Belastungen der modernen Energiewelt nicht gebaut. Jede Laufzeitverlängerung ist ein unkalkulierbares Risiko.“ Hinzu kämen Gefahren durch Drohnen- oder Cyberangriffe sowie akute Kühlungsprobleme infolge des Klimawandels.

Evakuierung als Illusion: Harte Forderungen an neue Landesregierung

Dass ein atomarer Ernstfall nicht beherrschbar wäre, zeigt aus Sicht des Bündnisses ein Blick auf die Infrastruktur: Wenn schon ein einzelner Verkehrsunfall auf der A64 im Ehranger Wald – wie am 10. Oktober 2024 geschehen – ausreicht, um einen kompletten Verkehrskollaps in Trier auszulösen, ist eine geordnete Flucht hunderttausender Menschen eine Illusion. Auch die rechtzeitige Abholung und Einnahme von Jodtabletten im dichten Stau sei völlig realitätsfern.

Das Aktionsbündnis nimmt daher die neue Landesregierung unter Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) und Stellvertreterin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) direkt in die Pflicht. Die Organisationen fordern die umgehende Beauftragung einer unabhängigen, verkehrswissenschaftlichen Evakuierungsstudie für die Region Trier unter realen Bedingungen. Flankierend müsse Mainz nun zwingend eine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) nach EU-Recht in Paris einfordern.

Solidarischer Schulterschluss über Bundesländergrenzen hinweg

Zudem ruft das Bündnis alle Städte und Gemeinden in ganz Rheinland-Pfalz sowie im gesamten Saarland auf, sich nach Luxemburger Vorbild offiziell gegen die Laufzeitverlängerung zu positionieren. Da ein Ernstfall weite Teile beider Bundesländer existenziell bedrohe, brauche es einen solidarischen Schulterschluss von unten, um den politischen Druck auf Paris und Mainz massiv zu erhöhen. Über 8.000 Menschen und 48 europäische Organisationen unterstützen bereits die noch laufende Petition auf stop-cattenom.de.


Über das Bündnis: Das Aktionsbündnis „STOPP CATTENOM!“ wird getragen einem breiten, internationalen Netzwerk aus 48 Organisationen aus Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Belgien – darunter .ausgestrahlt, Greenpeace Luxembourg, BUND und LCGB – sowie namhaften Persönlichkeiten wie Klaus Jensen (OB a.D. Trier) und Dr. Simone Peter. Es fordert die sofortige Stilllegung des grenznahen französischen Atomkraftwerks Cattenom.

Über das Antiatomnetz Trier: Das Antiatomnetz Trier ist ein überparteilicher Zusammenschluss von ehrenamtlich engagierten Atomkraftgegner_innen der Region Trier und setzt sich für die Abschaltung aller Atomanlagen und eine nachhaltige Zukunft mit erneuerbaren Energien ein.

Hintergrund: Die Kampagne „STOPP CATTENOM“ wird aktuell (Stand 22.05.2026) unterstützt von:

  • Klaus Jensen
    Oberbürgermeister a.D. und Honorarkonsul von Luxemburg a.D.
  • Simone Peter
    bis Oktober 2025 Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energie, ehem. saarländische Umweltministerin
  • James Marsh
    Zentralsekretär Gewerkschaft OGBL Syndicat No 1 au Luxembourg, ehem. Basketballprofi, Jugendtrainer, Sänger
  • Dr. med. Angelika Linckh
    Frauenärztin – Umweltheldin des Jahres (DUH)
  • Raymond Becker
    Friddens- a Solidaritéitsplattform Lëtzebuerg
  • Dr. Hildegard Slabik-Münter
    Kinderärztin, IPPNW und Aktionsbündnis „atomwaffenfrei.jetzt“
  • Robert Joachim
    délégué, EL Elsass-Lothringischen Volksbund, Stassburg
  • Dr. Eva Stegen
    Energiereferentin EWS Schönau, Vorstandsmitglied Trinationaler Atomschutzverband TRAS, Mitglied Nuclear Consulting Group
  • Prof. Dr. Karl Hans Bläsius
    Informatiker, Autor
  • Yu Kajikawa
    Aktivistin, Sayonara Nukes Berlin
  • Wolfgang Ehmke
    Aktivist, BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.
  • Andreas Zumach
    Journalist

Sowie von den folgenden 48 Organisationen: