Liebe Atomkraftgegner*innen in und um Trier,
Der Sommer hat gerade erst begonnen, und schon erleben wir die zweite extreme Hitzewelle des Jahres mit Temperaturen von bis zu 38 °C. Genau jetzt zeigt sich die Verwundbarkeit der Atomkraft im Klimawandel: Erste Reaktoren in Frankreich müssen bereits gedrosselt werden, um unsere Flüsse vor dem ökologischen Kollaps zu schützen.
Gleichzeitig versucht die französische Regierung im Schatten dieser Krise, das umstrittene Atommüll-Endlager „Cigéo“ in Bure im Eiltempo durchzupeitschen. Wir müssen jetzt grenzüberschreitend aktiv werden – gegen das unfaire Verfahren in Bure und gegen die geplante Laufzeitverlängerung von Cattenom. Beide Fälle zeigen: Die Atomkraft löst keine Probleme, sie schafft täglich neue.
1. Atommüll-Endlager Bure: Jetzt Einspruch einlegen!
Die französische Atommüllbehörde ANDRA versucht, vollendete Tatsachen zu schaffen. Die öffentliche Anhörung zur Errichtungsgenehmigung für das geplante Endlager in Bure – nur rund 130 Kilometer Luftlinie von Trier entfernt – läuft nur noch bis zum 2. Juli 2026 um 12:00 Uhr!
Um den Protest politisch zu umgehen, wurde das Verfahren kurzfristig vorverlegt. Ziel dieses Sprints ist es, das Genehmigungsdekret unbedingt vor den französischen Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2027 zu unterzeichnen. Bereits im März wurde der ehemalige Bahnhof von Luméville („La Gare“) – seit über 20 Jahren ein Symbol des Widerstands – unter massivem Polizeieinsatz geräumt, um die Schienen für die hochgefährlichen Atommüll-Transporte (die sogenannten Castor-Züge) vorzubereiten. Ein Eilantrag von 28 Organisationen gegen dieses überstürzte Verfahren wurde im Mai vom Verwaltungsgericht abgewiesen.
Dabei ist das 33,4 Milliarden Euro teure Projekt eine gigantische Fehlplanung. Die geplante Kapazität von 83.000 Kubikmetern entspricht dem unvorstellbaren Volumen von mehr als 33 olympischen Schwimmbecken randvoll mit hoch- und mittelradioaktivem Atommüll. Dennoch ist dieses geplante Endlager tief unter der Erde schon jetzt um mindestens 20 % zu klein, da der Atommüll der von Präsident Macron neu angekündigten Reaktoren in den Plänen überhaupt nicht berücksichtigt wurde. Hinzu kommt, dass ausländische Bürger schlicht übergangen werden: Obwohl ein Störfall auch Deutschland und Luxemburg direkt betreffen würde, liegen die über 12.000 Seiten starken Antragsunterlagen ausschließlich auf Französisch vor.
Doch das Projekt hat noch eine weitaus bitterere Dimension für uns an der Mosel: Bure ist das operative und politische Fundament für den jahrzehntelangen Weiterbetrieb von Cattenom. Ohne ein Endlager droht den Reaktoren der logistische Atommüll-Infarkt: Sind die internen Abklingbecken in den Kraftwerken irgendwann voll, müssen die Meiler unweigerlich abgeschaltet werden. Nur wenn der Müll langfristig nach Bure abtransportiert werden kann, kann in Cattenom weiter strahlender Abfall produziert werden. Zudem sichert ein angeblich „stabiles“ Endlagerkonzept dem Betreiber EDF die politische Rückendeckung für milliardenschwere Investitionen in Laufzeitverlängerungen bis 2047 oder länger – und versucht, uns Kritikern bei grenzüberschreitenden Prüfungen das zentrale Argument der ungelösten Müllfrage zu nehmen. Wenn wir das Endlager in Bure zu Fall bringen, entziehen wir Cattenom die Lebensader.
Jeder formelle Einwand dokumentiert zudem den breiten, grenzüberschreitenden Widerstand und liefert Anwält*innen die notwendige juristische Grundlage für zukünftige Klagen. Das Ausfüllen des Formulars anhand unserer zweisprachigen Kopiervorlage dauert weniger als 5 Minuten:
👉 [Zur Schritt-für-Schritt-Anleitung & Kopiervorlage auf unserer Website]
2. Kühlwasser-Krise: Cattenom bedroht die Mosel
Während in Bure die ungelöste Entsorgung durchgeboxt wird, treibt die extreme Hitze die laufenden Reaktoren an ihre physikalischen Grenzen. Erste Leistungskürzungen wegen aufgeheizter Flüsse wurden vom französischen Betreiber EDF bereits für mehrere Reaktoren im Süden des Landes angekündigt.
Auch an der Mosel spitzt sich die Lage dramatisch zu. Für das Département Moselle gilt an diesem Wochenende eine orange Hitzewarnung bei bis zu 38 °C. Cattenom unterliegt strengen Umweltauflagen: Der Reaktor darf die Mosel um maximal 1,5 °C erwärmen und muss die Kühlwassereinleitung stoppen, sobald die Moseltemperatur die kritische Schwelle von 28 °C überschreitet. Wie nah wir am Limit sind, zeigen die Messungen der nahen Station Palzem von heute Abend: Sie meldet bereits 24,5 °C – es fehlen also nur noch 3,5 °C bis zum absoluten Grenzwert, und das noch vor dem Hitze-Peak am Wochenende. Bereits jetzt muss künstlich kühleres Wasser aus dem großen Pierre-Percée-Staudamm in den Vogesen abgegeben werden, um den Fluss überhaupt zu stützen.
Diese ökologische Grenze spiegelt sich auch wirtschaftlich wider. Während günstige erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft im Sommer die Strompreise an der Börse üblicherweise auf günstige 10 bis 30 Euro pro Megawattstunde drücken, stieg der Preis für Lieferungen im Juli wegen der drohenden Reaktor-Ausfälle bereits auf über 60 Euro pro Megawattstunde an – das ist eine Verdoppelung bis Verdreifachung des sonst üblichen Sommer-Niveaus.
Zudem wiegt der ökologische Schaden schwer: Jährlich werden in den Kühlsystemen der französischen Reaktoren laut Recherchen der Organisation Sortir du nucléaire fast 6 Milliarden Fische und Kleinstlebewesen getötet. Trotz dieser Risiken soll Cattenom bis mindestens 2047 oder länger am Netz bleiben. Wir fordern stattdessen die sofortige Stilllegung!
Was Du jetzt tun kannst:
- Reiche Deinen Einspruch gegen das Endlager Bure ein – Die Frist endet am 2. Juli um 12:00 Uhr! Nutze dafür unsere einfache Ausfüllhilfe.
- Teile diesen Rundbrief in Deinem Freundes- und Bekanntenkreis, um die Öffentlichkeit aufzurütteln.
Atomkraftfreie Grüße, für das Aktionsbündnis STOPP CATTENOM!
Thomas, Elisabeth, Markus, Brigitte (und das gesamte Team)
www.antiatomnetz-trier.de | www.stop-cattenom.de
P.S.: Gemeinsam die 10.000 vollmachen!
Unsere WeAct-Petition gegen die Laufzeitverlängerung des Pannenreaktors Cattenom steht aktuell bei starken 8.900 Unterschriften! Bis zum Herbst wollen wir die 10.000er-Marke knacken, um den politischen Druck weiter zu erhöhen. Wenn Du noch nicht unterschrieben hast, kannst Du das hier direkt tun:
👉 [Jetzt Petition gegen die Cattenom-Laufzeitverlängerung unterzeichnen]
Hinweis: Bei uns haben Nazis keinen Platz!
Die Kampagne Stopp Cattenom gegen die Laufzeitverlängerung behält sich bei ihren Veranstaltungen und Aktivitäten vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische, verschwörungsideologische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zu Veranstaltungen, Demonstrationen und Aktionen zu verwehren oder von diesen auszuschließen.