Zum Artikel „Wird das AKW Cattenom noch größer?“, erschienen am 29.07.2026 in der Tageszeitung „Trierischen Volksfreund“
1. Leserbrief von Daniele Barbi vom Antiatomnetz Trier:
Mit Entsetzen lese ich, dass lothringische Wirtschaftsverbände den Bau neuer EPR in Cattenom fordern. Dass sie das tun, ist weder neu noch verwunderlich, denn schließlich können regionale Unternehmen nur im Fall eines Neubaus auf lukrative Aufträge hoffen. Auch die Einwohner von Cattenom hoffen wohl mal wieder auf Arbeitsplätze und sprudelnde Steuereinnahmen für die Gemeinde. Und dies für viele Jahre, da die Bauzeiten und Kosten solcher EPR erfahrungsgemäß explodieren. Siehe Flamanville, wo der Bau statt der geplanten 5 Jahre 17 Jahre dauerte und die Kosten von zunächst veranschlagten 3,3 Mrd. Euro laut jüngsten Schätzungen auf über 23,7 Mrd. stiegen.
Wir in der Region können hingegen nur hoffen, dass Cattenom – wie im Artikel treffend formuliert — „leer ausgeht“. Denn wir werden nur erneut gestiegene Risiken zu tragen haben. Auch die Kosten werden nicht nur die französischen Steuerzahler schultern müssen, die dies infolge der Verstaatlichung des hoch verschuldeten Betreibers EDF schon heute tun, sondern über Förderprogramme letztlich auch die europäischen Steuerzahler. Denn die EU hat Atomkraft auf Druck Frankreichs und der Atomlobby als „nachhaltig“ eingestuft und damit den Weg für weitere Förderungen geebnet.
Immerhin verweist die Verfasserin auf das Problem des steigenden Wasserverbrauchs. Schon heute kann die Kühlwasserversorgung der 4 Reaktoren, die ja jetzt auch noch für mindestens 10 Jahre weiterlaufen sollen, nur mit Müh und Not gesichert werden. Während der jüngsten Hitzewelle musste Cattenom wegen des niedrigen Moseldurchflusses verstärkt auf den Mirgenbach-Stausee als Kühlwasserreserve zurückgreifen, obwohl nur zwei der vier Reaktoren in Betrieb waren. Und nicht nur das: In heißen und trockenen Sommern kann die Mosel zusätzliche chemische Einleitungen immer schlechter verdünnen. Gleichwohl hat die Atomaufsichtsbehörde ASNR dem Betreiber kürzlich erlaubt, die Biozidbehandlung der Kühlsysteme künftig über längere Zeiträume des Jahres durchzuführen, d.h. die Mosel wird dann auch durch zusätzliche Einleitungen von Chloriden und Natrium belastet.
Wie soll bei all diesen Problemen der Betrieb von sechs statt vier Reaktoren sichergestellt werden? Die Klimakrise wird sie vielmehr weiter verschärfen. Wer dennoch den Ausbau des Standorts fordert, muss erklären, wie die Kühlwasserversorgung dauerhaft gewährleistet werden soll, ohne die Mosel weiter zu belasten. Auf diese entscheidende Frage bleiben die Befürworter bislang eine Antwort schuldig.
2. Leserbrief von Marianne Rummel vom BUND Trier-Saarburg / BUND Rheinland Pfalz:
Seit Jahrzehnten gibt es viele gute Gründe, den Ausbau der Atomkraft kritisch zu sehen – von der ungelösten Endlagerung über das Unfallrisiko bis zu den enormen Kosten. Der Artikel lenkt den Blick nun auf einen weiteren Aspekt, der künftig an Bedeutung gewinnen wird: den Klimawandel.
Ausgerechnet in einer Zeit, in der Flüsse immer häufiger unter Hitze und Niedrigwasser leiden, wird über zusätzliche Reaktoren an einem Standort nachgedacht, dessen Betrieb auf ausreichend Kühlwasser angewiesen ist. Gleichzeitig weist der Artikel darauf hin, dass die Kühlwasserversorgung bereits heute in heißen Sommern zunehmend schwieriger wird.
In diesem Zusammenhang sollte die Diskussion nicht nur die wirtschaftlichen Chancen eines Ausbaus betrachten, sondern ebenso die Frage, wie Natur, Gewässer und Ökosysteme unter den Bedingungen des Klimawandels dauerhaft geschützt werden können. Denn die natürlichen Voraussetzungen, auf die ein solches Kraftwerk angewiesen ist, verändern sich bereits heute spürbar.
Die eigentliche Frage lautet deshalb aus meiner Sicht nicht nur, ob zusätzliche Reaktoren gebaut werden können. Sondern vor allem, ob die Mosel als Ökosystem eine weitere Belastung langfristig überhaupt noch verkraften kann. Über wirtschaftliche Interessen lässt sich verhandeln – über die Grenzen der Natur nicht.
3. Leserbrief von Thomas Heinen vom Antiatomnetz Trier:
Dass sich in einer EDF-Umfrage 70 Prozent der Befragten vor Ort für neue Reaktoren aussprechen, überrascht kaum. Wer direkt von Gewerbesteuern profitiert und auf Aufträge hofft, stimmt natürlich zu. Doch genau hier liegt das demokratische Problem: Ein Reaktorunfall macht nicht an Gemeindegrenzen halt – und erst recht nicht an der Staatsgrenze.
Die Millionen Menschen im Trierer Land, im Saargau und in Luxemburg tragen das volle Restrisiko. Zwar gibt es formelle Beteiligungsverfahren, doch die Praxis zeigt – ob bei chemischen Einleitungen in die Mosel oder beim geplanten Endlager Bure: Eingereichte Einwände bleiben wirkungslos. Diese Verfahren verkommen regelmäßig zum demokratischen Feigenblatt. Reale Mitbestimmung für die betroffenen Nachbarstaaten sieht anders aus.
Auch die von den lothringischen Wirtschaftsverbänden beschworene „Energiesouveränität“ hält einer Prüfung nicht stand. Frankreich besitzt seit 2001 keine eigene Uranmine mehr. Daran ändern auch staatliche Konzernmehrheiten beim Förderkonzern Orano nichts: Der Rohstoff stammt zu 100 Prozent aus dem Ausland – und wie anfällig diese Abhängigkeit ist, zeigte zuletzt der Verlust der Schürfrechte im Niger. Bei der Wiederaufarbeitung hängt der Betreiber EDF zudem bis heute am Tropf des russischen Staatskonzerns Rosatom.
Wer unter diesen Bedingungen von Unabhängigkeit spricht, blendet die Realität aus. Lukrative Industrieaufträge für Lothringen auf dem Rücken der gesamten Großregion: Das ist keine Energiepolitik, sondern rücksichtslos.
Zum Artikel „Wird französisches Atomkraftwerk Cattenom noch größer?“, erschienen am 27.07.2026 in der Tageszeitung „Rhein-Zeitung“
Leserbrief von Thomas Heinen vom Antiatomnetz Trier:
Dass sich in einer EDF-Umfrage 70 Prozent der Befragten vor Ort für neue Reaktoren aussprechen, überrascht kaum. Wer direkt von Gewerbesteuern profitiert und auf Aufträge hofft, stimmt natürlich zu. Doch genau hier liegt das demokratische Problem: Ein Reaktorunfall macht nicht an Gemeindegrenzen halt – und erst recht nicht an Staats- oder Landesgrenzen.
Die Bevölkerung in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Luxemburg trägt das volle Restrisiko. Zwar gibt es formelle Beteiligungsverfahren, doch die Praxis zeigt – ob bei chemischen Einleitungen in die Mosel oder beim geplanten Endlager Bure: Eingereichte Einwände bleiben wirkungslos. Diese Anhörungen verkommen regelmäßig zum bürokratischen Feigenblatt. Reale Mitbestimmung für die betroffenen Nachbarregionen sieht anders aus.
Auch die von lothringischen Wirtschaftsverbänden beschworene „Energiesouveränität“ hält einer Prüfung nicht stand. Frankreich besitzt seit 2001 keine eigene Uranmine mehr. Daran ändern auch staatliche Konzernmehrheiten beim Förderkonzern Orano nichts: Der Rohstoff stammt zu 100 Prozent aus dem Ausland – und wie anfällig diese Abhängigkeit ist, zeigte zuletzt der Verlust der Schürfrechte im Niger. Bei der Wiederaufarbeitung hängt der Betreiber EDF zudem bis heute am Tropf des russischen Staatskonzerns Rosatom.
Wer unter diesen Bedingungen von Unabhängigkeit spricht, blendet die Realität aus. Lukrative Industrieaufträge für Lothringen auf dem Rücken der gesamten Großregion: Das ist keine Energiepolitik, sondern rücksichtslos.
Zum Artikel „Wird das AKW Cattenom noch größer? Lothringens Wirtschaft fordert zusätzliche Reaktoren“, erschienen am 24.07.2026 in der Tageszeitung „Saarbrücker Zeitung“
Leserbrief von Thomas Heinen vom Antiatomnetz Trier:
Dass sich in einer EDF-Umfrage 70 Prozent der Befragten vor Ort für neue Reaktoren aussprechen, überrascht kaum. Wer direkt von Gewerbesteuern profitiert und auf Aufträge hofft, stimmt natürlich zu. Doch genau hier liegt das demokratische Problem: Ein Reaktorunfall macht weder an Gemeindegrenzen halt – noch an der saarländischen Landesgrenze.
Die Menschen im Saarland, im Saargau, in Luxemburg und in der Eifel tragen das volle Restrisiko. Zwar gibt es formelle Beteiligungsverfahren, doch die Praxis zeigt – ob bei chemischen Einleitungen in die Mosel oder beim geplanten Endlager Bure: Eingereichte Einwände bleiben wirkungslos. Diese Verfahren verkommen regelmäßig zum feigenblattartigen Ritual. Reale Mitbestimmung für die unmittelbar betroffenen Nachbarn sieht anders aus.
Auch die von den lothringischen Wirtschaftsverbänden beschworene „Energiesouveränität“ hält einer Prüfung nicht stand. Frankreich besitzt seit 2001 keine eigene Uranmine mehr. Daran ändern auch staatliche Konzernmehrheiten beim Förderkonzern Orano nichts: Der Rohstoff stammt zu 100 Prozent aus dem Ausland – und wie anfällig diese Abhängigkeit ist, zeigte zuletzt der Verlust der Schürfrechte im Niger. Bei der Wiederaufarbeitung hängt der Betreiber EDF zudem bis heute am Tropf des russischen Staatskonzerns Rosatom.
Wer unter diesen Bedingungen von Unabhängigkeit spricht, blendet die Realität aus. Lukrative Industrieaufträge für Lothringen auf dem Rücken der saarländischen und grenzüberschreitenden Nachbarschaft: Das ist keine Energiepolitik, sondern rücksichtslos.