Cattenom

Lage – Zahlen – Fakten

Atomkomplex Cattenom

Atomkomplex Cattenom

Der Atomkomplex Cattenom steht nahe dem gleichnamigen Ort Cattenom/Mosel in der französischen Region Lothringen und ist 12km von der deutschen und 9km von der Luxemburger Grenze entfernt. Betreiber ist die französische Elektrizitätsgesellschaft EDF. Die Bruttoleistung des AKW Cattenom, welches das drittgrößte Frankreichs ist, liegt bei 5448MW. Durchschnittlich werden pro Jahr 35.200 GWh ins Netz eingespeist. Am Atomkomplex Cattenom befinden sich vier Reaktoren.

  • Cattenom 1 ging am 13.11.1986,
  • Cattenom 2 ging am 07.09.1987,
  • Cattenom 3 ging am 06.07.1990,
  • Cattenom 4 ging am 27.05.1991 ans Netz.

Das Saarland liegt genau in Hauptwindrichtung und wäre somit bei einem nuklearen Unfall im AKW Cattenom unmittelbar betroffen. Je nach Windrichtung wären ebenso die Anrainerländer Luxemburg, Belgien, Rheinland-Pfalz, aber auch Frankreich selbst betroffen. Die Ausmaße eines nuklearen Unfalls (die radioaktive Wolke~Fallout) würden ebenso weitere Teile Europas treffen.

Bildquelle: OpenStreetMap, Cattenom - Fallout  (Radioaktive Wolke) über Saarland – RheinlandPfalz bei Windrichtung aus SW

Bildquelle: OpenStreetMap, Cattenom – Fallout
(Radioaktive Wolke) über Saarland – RheinlandPfalz bei Windrichtung aus SW

Der französische Ausstieg

Frankreich ist mit seinen 59 Atomreaktoren das Land mit den meisten Meilern der Welt. Vom Ausstieg aus der Atomenergie ist in Frankreich nicht die Rede. Dennoch hat die nukleare Katastrophe auch in Frankreich bewirkt, dass die Proteste gegen die Nutzung der Atomenergie wachsen. Der neue Staatspräsident Francois Hollande hat das Aus für Frankreichs ältestes AKW Fessenheim für 2016 angekündigt. Dieser sollte erst 2017 vom Netz genommen werden. Der Anteil der Atomenergie am französischen Strommix bis 2025 auf 50% gesenkt werden. Die Aktien von EDF, dem halbstaatlichen AKW-Betreiber, haben seit 2007 80% ihres Wertes verloren.

Zugleich soll der EPR Meiler in Flamanville fertig gebaut werden. Andererseits befindet sich die französische Atomindustrie seit langem in der Krise, da die neuen EPR-Reaktoren nicht zum franz. Exportschlager wurden. François Hollande hat sich vorgenommen, Frankreichs Abhängigkeit von der Atomkraft zu verringern, erneuerbare Energien auszubauen, zu fördern.

Störungen, meldepflichtige Ereignisse

Seit der Inbetriebnahme des AKW Cattenom haben sich bereits mehr als über 800 meldepflichtige Ereignisse ereignet.

Hiervon die wichtigsten seit 2002:

  • 17.02.2002
    in Block 1 öffnete sich unvorhergesehen ein Ventil in einer Anschlussleitung am Reaktorkühlkreislauf. Laut ASN (französische Atomaufsichtsbehörde) hat es eine „erhebliche Freisetzung“ von leicht kontaminiertem Primärkühlwasser ins Containment gegeben. Um das Ventil zu schließen, musste sich ein Team in Schutzkleidung ins Containment begeben (Einstufung INES 1).
  • 16.05.2004
    Block 2 musste heruntergefahren werden, weil es in einem Kabelraum zu einem Brand kam. Die herbeigerufene Feuerwehr konnte erst nach 2,5 Stunden den Brand löschen.
  • 12/2004
    Über 30 Schläuche von Feuerlöschern der Anlage wurden angeritzt. Die zuständige Gendarmerie in Thionville nahm Ermittlungen wegen Sabotage auf.
  • 15.03.2005
    Acht Arbeiter werden bei Wartungsarbeiten verstrahlt.
  • 10/2005
    Ausfall der Pumpen beim Wiederhochfahren
  • 08/2007
    Brand im Gebäude einer Abwasseranlage
  • 01.11.2007
    Grenzwertüberschreitung von Eisengrenzwert im Abwasser des AKW in der Mosel.
  • 07.11.2007
    Grenzwertüberschreitung von Zink in der Mosel.
  • 10.03.2008
    Überschreitung der zulässigen Höchsttemperatur unter dem Reaktorbehälter
  • 12.03.2008
    Mitarbeiter verstrahlt, Ursache unbekannt
  • 20.04.2008
    Lüftung fiel während Wartungsarbeiten aus.
  • 23.10.2008
    Während des BrennelementeAustauschs wird in der Strom- und Telefonkabeltrasse ein Leck entdeckt.
  • 2009
    Insgesamt 36 meldepflichtige Ereignisse der Stufe INES 0 und neun Ereignisse der Stufe INES 1.
  • Bis Juni 2010
    16 meldepflichtige Ereignisse der Stufe INES 0 und zwei meldepflichtige Ereignisse der Stufe INES 1.
  • 18.01.2012
    Rein zufällig wurde nach 26 Jahren Laufzeit entdeckt, dass seit dem Bau der Anlagen ein wichtiges Bauteil fehlte. Dadurch wurde der Rückfluss in den Kühlleitungen des Lagerbeckens der Brennelemente der Blöcke 2 und 3 nicht verhindert. Das Lagerbecken hätte unkontrolliert leer laufen können. Die ASN hat sodann am 06.02.12 den Zwischenfall von Stufe 1 auf Stufe 2 der INES-Skala höher gestuft.
  • 2012
    Insgesamt wurde 39 Mal der Schalter umgelegt (EDF meldet auf ihrer Internetseite nur 16). Die Dunkelziffer der nicht meldepflichtigen Ereignisse liegen mit Sicherheit weitaus höher.
  • 11.01.13
    Unzureichend angezogene Schrauben an den Steuerstäben in der Produktionseinheit Nr. 2 – Quelle
  • 12.01.2013
    Eine Steuerung im Reaktorkern reagierte nicht mehr – Quelle 1 – Quelle 2Quelle 3
  • 01.02.13
    Ungeplante Abschaltung des Blocks Nr. 2
  • 01.03.2013
    Die Betreiber Gesellschaft EDF teilt mit, dass bei Materialprüfungsarbeiten in Block vier ein Gerüst zusammen brach. Dabei verloren zwei Arbeiter ihr Leben – einer wurde schwer verletzt.
  • 07.05.2013
    Nach einer PM des Luxemburger Wort meldet die Betreibergesellschaft EDF im AKW Cattenom INES 1. – Quelle
  • 10.05.2013
    Block 1 außerplanmäßig abgeschaltet – Quelle
  • 06.06.13
    In Block 2 wurden Spuren des chemischen Elements Bor entdeckt. Sie befanden sich auf Rohrleitungen des Kühlsystems. – Quelle
  • 07.06.13
    Weit sichtbarer schwarzer Rauch beängstigt am Freitagnachmittag die Saar/Lor/Lux Großregion. Gegen 13:30 ging ein Transformator, der zur Einheit 1 gehört, in Flammen auf. Nach Angaben der Betreiber ist das Feuer außerhalb des atomaren Bereiches ausgebrochen; Block 1 schaltet sich automatisch ab; Einheit 1 wurde sicherheitshalber evakuiert. Nach Angaben der Betreiber soll es weder für Mensch, noch für Umwelt Konsequenzen gegeben haben. – Quelle

    feuer-cattenom

    Weit sichtbarer schwarzer Rauch beängstigt am 7. Juni 2013 die Saar/Lor/Lux Großregion.

  • 11.06.13
    In Block 3 ist eine erneute Panne, ein Defekt in einem weiteren Transformator aufgetreten, wie die Notdienstverwaltung bei der luxemburgischen Regierung am Dienstagnachmittag mitteilte. – Quelle
  • 18.06.13
    INES 1 im Pannenmeiler Cattenom; Bei Wartungsarbeiten, also rein zufällig, ist ein weiterer technischer Defekt entdeckt worden. Dieses Mal war eine Steuerung für Absperrventile betroffen. Die vier Absperrventile im Reaktorblock Vier befinden sich an Leitungen mit Borsäure. – Quelle
  • 23. /24.07.2013
    Zwischen dem 23. und 24. Juli sind im Atommeiler Cattenom unbemerkt 58’000 Liter Salzsäure ins Erdreich und ins Grundwasser sowie in die Mosel gelangt. Der Zwischenfall wurde nach Angaben der EDF-Betreiber erst am 29. Juli bemerkt. Der EDF-Betreiber gab das Ereignis erst drei Wochen später, am 13. August durch die Internetseite der französischen Nuklearsicherheitsbehörde ASN bekannt. Die Säure entwich beim Umpumpen aus einem Reservoir in eine Kühlanlage des Reaktors 3 und sollte über eine Leitung zu einem anderen Kühlturm umgeleitet werden. Erst nach Tagen war rein zufällig herausgefunden worden, dass das Schlussstück dieser Leitung fehlte. – Quelle

Erdbeben

Der Atomkomplex Cattenom wird als Sicherheitsrisiko wegen unzureichender Erdbebensicherheit der technischen Installationen angesehen, da sicherheitsrelevante Ventile nach einem Erdbeben nicht mehr funktionieren würden. Laut den Mitteilungen der Betreiber, wird der Atomkomplex als erdbebensicher bis Stärke 5,4 eingestuft. Jedoch gab es in Mitteleuropa bereits stärkere Erdbeben, wie in Roermond 1992 – Stärke 5,9.

Stresstest

Nach dem Supergau in Fukushima wurden alle europäischen AKW einem Stresstest unterzogen. Die Kritik an der Seriosität der Methodik der Stresstests ging lange durch die Presse. Trotz der betreiberfreundlichen Gestaltung und dem Minimalprogramm der Tests, fiel das Ergebnis für Cattenom mit der Note Mangelhaft aus. Zitat eines Auszuges vom Interview aus der Sendung Monitor vom 18.10.12 mit Herrn Dieter Majer, Technischer Leiter der deutschen Atomaufsicht a.D. Herr Dieter Majer. Verglichen möglicherweise mit dem Auto bedeutet das, man hat den Airbag untersucht. „Der Stresstest ist ein Minimalprogramm, das nur einige wenige Prozente der gesamten notwendigen Sicherheitsüberprüfung ausmacht. Nämlich nur Einrichtungen und Maßnahmen, die dann wichtig sind, wenn der Unfall schon passiert ist. Dessen Funktionsweise hat man aber nicht untersucht, ob die Bremsen funktionieren, ob das Licht funktioniert, etc. “Harter Stresstest? Für Majer steht fest: Cattenom müsste sofort abgeschaltet und einer wirklich gründlichen Überprüfung unterzogen werden. Solch eine Überprüfung war bei ihm nicht möglich, sagt er in der Sendung Monitor. Zugesagte Unterlagen seien ihm zumindest vorenthalten worden Dieter Majer „Die ganz wichtigen Unterlagen, Systembeschreibungen, Schaltpläne, Prüfhandbücher, Berechnungen über Einfalls-Wahrscheinlichkeit von Unfällen, all das wurde eben nicht zur Verfügung gestellt für die Anlage.“

Dies, so erzählt er, sei passiert, als er begonnen habe, sich kritisch zu äußern. Der Betreiber bestreitet dies und sagt auch, dass die Anlage genehmigt sei und ständig überprüft würde. Der EU -Stresstest stellte für Cattenom Defizite fest, etwa unzureichende Auslegungen bei schweren Erdbeben und Überflutungen. Die aber seien ja nachrüstbar. Andere schwere Mängel, die Majer festgestellt hat, finden sich erst gar nicht im Stresstestbericht. Dieter Majer: „Da geht es um Korrosion von wichtigen sicherheitstechnischen Einrichtungen, da geht es um fehlende BrandschutzEinrichtungen, da geht es um elektrische Einrichtungen, die in ihrer Ausführung nicht dem entsprechen, was man in einem Atomkraftwerk zu erwarten hat. Also ein weiterer Betrieb von Cattenom halte ich für nicht verantwortbar. Ende Zitatauszug.

Weiterhin wurden: Rostige Leitungen, Schwächen im Kühlkreissystem, unsichere Notfallgeneratoren, Schwächen bei den Kommunikationswegen, der Schutz vor Erbeben und Überschwemmungen müsse weiter erhöht werden, unzureichender Schutz gegen Naturkatastrophen festgestellt.

Wir bemängeln, dass überaus notwendige Nachrüstungen erst bis 2020 oder gar bis 2030 in Erwägung gezogen werden.

Auch bemängeln wir, dass weitere wichtige Kriterien nicht im EU -Stresstest berücksichtigt – weder noch untersucht wurden; die Bausubstanzen der Reaktorengebäude (Containment)-die bereits feine Risse im Stahlbeton – also in der äußeren Reaktorhülle aufweisen. Gefahr Flugzeugabstürze, terroristische Aktivitäten, menschliches Versagen, Fachkompetenz der Leiharbeiter, die globalen Folgen des Klimawandels – u.a. das rapide Abtauen der Gletscher – die den Pegelstand – Hoch – und Niedrigwasser der Mosel beeinflussen. Es gibt zwar einen Stausee (Lac de Pierre-Percée), der 100 km von Cattenom entfernt in den Vogesen liegt und bei Niedrigwasser als Reserve dient, aber auch für die Notkühlung vorgesehen ist. Jedoch braucht das Wasser zwei Tage bis dass es dort ist, wo es im Notfall dringendst gebraucht werden würde – im AKW Cattenom. In Hinsicht der globalen Folgen des Klimawandels haben Forscher bereits prognostiziert, dass durch das Abtauen der Gletscher es zukünftig zu Problemen mit Hochwasser kommt. Nachdem die Gletscher abgetaut sind – könne es danach zu Problemen mit Niedrigwasser in den Flüssen kommen. Des Weiteren leitet das Atomkraftwerk Cattenom mit seinen vier Blöcken deutlich mehr radioaktive Stoffe, u.a. Tritium, in die Mosel, als dies nach Stand von Wissenschaft und Technik erforderlich wäre.

Brennstoff

Unbemerkt der Öffentlichkeit hat EDF im Frühjahr 2009 bei der ASN beantragt, neue Kernbrennstoffe in die Reaktoren „Galice“ einzusetzen. Auch Cattenom gehört dazu. Die ASN hat zwischenzeitlich dem Antrag stattgegeben. Anfang Dezember 2009 hat die ASN einige Auflagen für den Betrieb mit dem neuen Nuklearmaterial erteilt. Das derzeitige Verfahren „Gemmes“ fordert, dass die Reaktoren nach 18 Monaten zum Brennelementwechsel abgeschaltet werden. „Galice“ ermöglicht Intervalle bis zu 21 Monaten. Der neuartige Kernbrennstoff „Galice“ zeichnet sich durch einen wesentlich höheren Anteil an spaltbarem Uran-235 aus. Normalerweise werden Brennstäbe eingesetzt, deren Uran-235-Anteil auf 3-4% angereichert ist. Künftig sollen an mindestens acht französischen AKW-Standorten die neuartigen Brennstoffe mit 4,5% Spaltmaterial zum Einsatz kommen. EDF spricht von Kernbrennstoffen „HTC“ (Haut Taux de Combustion = mit hoher Abbrandrate). Weitere Infos: http://www.cattenom-non-merci.de

Widerstand

cattenom-non-merci

Bereits 1976 engagierten sich jahrelang Atomkraftgegner auf der „Schengener Wiss“ bei Remerchen (Luxemburg) gegen den Bau eines AKW auf dem Gelände. Der jahrelange Widerstand und eine damalige Gesetzeslücke verhalfen dazu, dass der Bau nicht realisiert wurde. >Wenn ein nicht zu bewegender oder schwerlich zu entfernender Gegenstand auf einem Bau-Gelände stehen würde, könne der Bau nicht realisiert werden<. Moselwinzer setzten ausrangierte Eisenbahnwaggons auf das Gelände, die sodann von Aktivisten kreativ bemalt und lange Zeit als Basislager dienten. Der jahrelange Widerstand verhinderte 1979 den geplanten Bau. Im selben Jahr wurde der Bau sodann von der luxemburgischen Regierung storniert. Mitte der 70er wurde in Frankreich mit der Planung des AKWs Cattenom begonnen.

Seit Beginn der Planungen bis Mitte der 1990er Jahre gab es im französischen, luxemburgischen, deutschen und insbesondere im saarländischen Umland, des grenznah geplanten Bau des AKW Widerstand. Dem Widerstand wurden schier unüberwindbare Hindernisse durch die noch geschlossenen Grenzen zwischen Frankreich – Luxemburg und Deutschland gesetzt.

Anfang September 2009; Gründung der Bürgerinitiative Cattenom Non Merci, die sich für die Schließung des AKW Cattenom, für die Beendigung des geplanten Endlagers Bure /Lorraine und auf internationalem Niveau für die Schließung aller AKW engagiert.

Anfang 2011 wird die Internationale Aktionsgemeinschaft gegen Cattenom wiederbelebt

In Trier besteht seit 1986 die MAUS Trier (Messen für Aktiven Umweltschutz). Sie betreibt Luftmessstationen um das AKW Cattenom, zusammen mit Umweltverbänden, Einzelpersonen und Stop Bure Trier sind sie das Antiatomnetz Trier.

Unsere Forderungen

  • AKW Cattenom+ Fessenheim, Tihange, Doel abschalten!
  • Die ungeeigneten Endlagerprojekte Bure, Asse, Gorleben beenden!
  • Einen Europa- und weltweiten Ausstieg aus der Atomenergie!
  • Eine Zukunft in Europa mit Erneuerbaren Energien, dezentral – sozial und in Bürgerhand!

Weitere Informationen im Netz