Rede von Tanja Gaudian (Elektrizitätswerke Schönau, EWS), Demo gegen Cattenom in Metz 2013

By | 20/09/2013

Deutsch / Französisch siehe unten

Metz, 14.9.2013

Tanja Gaudian
Elektrizitätswerke Schönau (EWS)

Ich komme aus Freiburg. Die Stadt ist 30km entfernt vom französischen Atomkraftwerk Fessenheim. Dieser Atommeiler liefert sich schon lange mit Cattenom ein Kopf-an-Kopf-Rennen, was die Anzahl der Störfälle angeht. Diese beiden Anlagen gehören sofort abgeschaltet!

Aber woher soll der Strom dann kommen? werde ich oft gefragt. Zum Glück brauche ich dar gar nicht von meinen Träumen reden, sondern ich kann von der Realität erzählen. Ich arbeite für die Elektrizitätswerke Schönau. Wir verkaufen reinen Ökostrom in ganz Deutschland und haben zur Zeit 140.000 Kunden. Das sind 140.000 Menschen, die keinen Atom- und Kohlestrom mehr kaufen. Und in vielen Fällen ist ihr Strom auch noch günstiger als der des Nachbarn.

Wir können so viel sauberen Strom verkaufen, weil wir auch viel sauberen Strom produzieren. Genauer gesagt: Wir helfen Bürgern, selbst zu Produzenten zu werden. Früher gab es in Deutschland vier große Stromproduzenten, die den Markt unter sich aufgeteilt haben. Heute gibt es über vier Millionen Stromproduzenten, die es schaffen, mit kleinen Beiträgen große Windräder zu bauen oder Photovoltaikanlagen auf den Dächern ihrer Schulen und Häuser zu errichten oder Biogas zu gewinnen.

In Deutschland werden 23% des Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen und die großen Stromkonzerne haben daran nur einen ganz kleinen Anteil. Können Sie sich jetzt denken, warum so viele konservative Politiker, die mit den alten Lobbyisten noch per Du sind, auf die deutsche Energiewende schimpfen?

Da wird dann gerne behauptet, man könne die erneuerbaren Energien nicht in das Stromnetz integrieren, alles würde zusammenbrechen, wenn wir so weiter machen. Nun, zu den Besonderheiten der Elektrizitätswerke Schönau gehört es, dass wir auch ein paar Strom- und Gasnetze selbst betreiben. Damit beweisen wir jeden Tag, dass es möglich ist, aus einem guten Mix erneuerbarer Energien und mit einer intelligenten Organisation die Menschen zuverlässig mit Strom zu versorgen. Anstatt zu Jammern investieren wir unsere Kraft lieber in die Erforschung von Energiespeichern und für eine noch bessere Steuerung von Angebot und Nachfrage.

Wer soll das alles bezahlen? Jaja, die angeblich so hohen Strompreise sollen also die Euphorie der Bürger dämpfen. Und dabei sorgen gerade die erneuerbaren Energien dafür, dass der Strom für alle billiger geworden ist. Das merkt nur keiner, weil die Konzerne diese Gewinne lieber für sich behalten.

Meine Familie, wir sind vier Personen mit einem ganz durchschnittlichen Energieverbrauch, zahlt im Monat 15 Euro für die Ökostromförderung, das ist ein Anteil von 0,3% an den Lebenshaltungskosten. Diesen Preis könnte man mehr als halbieren, wenn die Industrie nicht komplett davon freigestellt und der Staat nicht so hohe Steuern abschöpfen würde. Und trotzdem zahle ich diese Förderung im Prinzip gerne, denn mit jeder Photovoltaikanlage, mit jedem Windrad und mit jedem Wasserkraftwerk, das neu ans Netz geht, verhindern wir, dass noch mehr unnötiger Atommüll produziert wird. Dessen Entsorgung können wir weder sicher stellen noch bezahlen. Und ich freue mich schon auf den Tag, an dem sich unsere Ökostrom-Anlagen amortisiert haben und die Energie immer günstiger wird. Experten sagen, dieser Wendepunkt werde schon 2025 erreicht sein.

Ich will nicht für den Verbrauch von Ressourcen bezahlen, sondern für gute Arbeit. Ich will nicht, dass mein Geld in große internationale Konzerne fließt, sondern dass es in der Region bleibt. In ganz Frankreich arbeiten etwa 100000 Menschen in der Atomindustrie, das sind Arbeitsplätze ohne Zukunft. In Deutschland sind fast viermal so viele Menschen im Bereich der erneuerbaren Energien beschäftigt und es werden noch mehr.

Selbst, wenn alle französischen Atomreaktoren ihren Betrieb von 30 auf 40 Jahre verlängern, müssen bis 2020 weitere 20 Reaktoren abgeschaltet werden. Wodurch sollen die ersetzt werden? – In den südlichen Regionen Frankreichs wurden im letzten Jahr 4 TWh Strom aus Photovoltaik produziert. Diese Gegend hatte in dem Jahr mehr als 2500 Sonnenstunden. Ganz Deutschland hatte in der selben Zeit nur 1650 Stunden Sonne, produzierte aber sieben Mal so viel Strom daraus. Ich könnte jetzt eine ganz ähnliche Rechnung aufmachen für Wind, Wasser, Gezeitenkraft u. ä. Frankreich hat so viel Potential!

Ich komme immer wieder sehr gerne nach Frankreich, das Land der großen bürgerlichen Revolution. Und ich freue mich sehr, dass die Elektrizitätswerke Schönau zusammen mit Enercoop und noch anderen europäischen Organisationen an der Energiewende arbeiten. Jeder hier, egal welcher Nationalität, kann sich uns anschließen. Wenn Sie im Internet nach RESCOOP suchen, finden Sie sofort unsere Seite und jede Menge Information.

Das, was die Elektrizitätswerke in Schönau geschafft haben, kann überall stattfinden. Jeder, der gegen Atomkraft ist, kann sie sofort boykottieren und den Stromanbieter wechseln. Jeder, der für grünen Strom ist, kann sich sofort einer Cooperative anschließen oder eine gründen. Spätestens dann, wenn Cattenom und Fessenheim keinen Strom mehr verkaufen, werden sie abgestellt. Wir bestimmen, wie schnell das geht – wir, die Bürger.


Metz, 14.9.2013

Tanja Gaudian
Elektrizitätswerke Schönau (EWS)

Je viens de Freiburg, une ville dans le sud de l’Allemagne à 30 km de la centrale nucléaire francaise Fessenheim. Les centrales de Cattenom et Fessenheim multiplient les incidents nucléaires. Les deux centrales doivent être fermées immediatement!
Mais d’où prendre l’énergie? C’est ce qu’on me demande souvent. Je travaille pour les Elektrizitätswerke Schönau. Nous sommes un distributeur et producteur d’électricité propre – comme enercoop en France. Nous vendons de l`électricité dans toute l’Allemagne et nous avons 140.000 clients. Ce sont 140.000 citoyens qui n’achètent plus d’énergie nucléaire ou de charbon. Souvent ceux-ci payent même moins cher que leurs voisins.

Nous sommes capables de vendre tant de l’énergie propre parce qu’on en produit beaucoup. Pour être plus précis: Nous aidons les gens à produire de l’énergie renouvelable par eux même. D’ailleurs, nous avions quatre grands producteurs d’énergie en Allemagne qui se partagent le marché. A ce jour, nous avons quatre millions de producteurs qui arrivent à construire de grandes éoliennes avec des petites contributions ou qui installent des panneaux photovoltaiques sur des toits de leurs maisons ou d’école ou qui produisent du gaz naturel.

En Allemagne, actuellement 23% de l’électricité est produite par des sources renouvelables. Les quatre grands concernés prennent seulement une toute petite part parmi. Vous pouvez maintenant imaginer pourquoi tant de politiciens conservateurs qui sont toujours amis avec les anciens monopolistes tiennent des propos médisants sur la transition énergétique?

Ils affirment que cela ne serait pas possible d’intégrer les énergies renouvelables dans le réseau électrique. Ils disent également que tout peux s’écrouler si on continue avec la transition comme cela. La spécialité des Elektrizitätswerke Schönau est qu’on gère déjà 9 réseaux électriques par nous mêmes. Nous prouvons, chaque jour, qu’il est possible avec une organisation intelligente, d’intégrer une grande part d’énergie renouvelable. A la place de se lamenter nous nous investitssons pour trouver de meilleures solutions d’énergie.

Mais qui paye? En Allemagne, on essaie d’apaiser l’euphorie pour la transition énergetique en disant que les prix d’électricité augmentent à cause des subventions pour les renouvelables. Mais en réalité les renouvelables ont fait baisser les prix à la bourse d’énergie et les grands fournisseurs ont gardé tous les bénéfices pour eux même.

Ma famille est toute moyenne. Nous sommes quatre personnes dans une petite maison. On paie 15 Euros par mois pour le soutien des renouvelables, cela fait 0,3% des couts de la vie. Cela pourrait être encore beaucoup plus moins si l’industrie devait aussi payer et si l’état ne prenait pas tant d’impôts. Malgré tout, je suis tout à fait prête de payer parce que je sais que chaque nouvelle installation photovoltaique nous aidera à éviter les déchets nucléaires. Personne ne sait où les mettre et comment payer ceux-ci. J’attends avec plaîsir le jour ou les installations renouvelables seront amorties et les prix vont baisser. Selon les experts ce tournant serait déjà en 2025.

Je ne veux pas payer pour la consommation des ressources mais pour un bon travail. Je ne veux pas que mon argent aille dans les grandes entreprises internationales mais qu’il reste dans la région. En France environt 100.000 personnes travaillent dans l’industrie nucléaire, ce sont des emploies sans perspective. En Allemagne, nous avons presque quatre fois plus d’employés dans le secteur des énergies renouvelables. Et cela augmente.

Même si toute les centrales nucléaires francaises prolongent leurs durées de 30 à 40 ans, il faudrait fermer 20 réacteurs jusqu’en 2020. Comment les compenser? – Dans les régions du sud de la France, le parc photovoltaique a produit l’année dernière 4 TWh d’électricité avec un taux d’ensoleillement au dessus de 2500 heures. En Allemagne, on a produit sept fois plus avec un taux d’ensoleillement de seulement 1650 heures. Je pourrais faire une addition similaire concernant le vent, l’hydrodraulique ou le biogaz. Il y a tant de potentiel en France!

J’aime beaucoup la France, la nation de la grande révolution des droits civils. Et je suis contente de travailler avec enercoop et d’autres coopératives européennes pour la transistion énergétique. N’importe quelle nationalité peut nous joindre. Vous allez trouver notre site et toutes les informations sur internet „rescoop„.

Ce qu’on a fait à Schönau peut se répéter partout. Celui qui est contre l’énergie nucléaire peut tout de suite changer et choisir un distributeur d’énergie propre. Celui qui veut participer activement à la transition peut joindre une coopérative. Si Cattenom et Fessenheim ne vendent plus d’électricité, elles fermeront. C’est à nous de prendre conscience et de faire tout notre possible pour que cela arrive.