Pressemitteilung: Unfall bestätigt Unsicherheit des Atommüllendlagers Bure: Erdrutsch mit Todesfolge am werdenden Atommüll“end“lager in Bure

By | 29/01/2016

Pressemitteilung des Antiatomnetzes Trier

Trier, den 29. Januar 2016

Pressemitteilung: Unfall bestätigt Unsicherheit des Atommüllendlagers Bure

Erdrutsch mit Todesfolge am werdenden Atommüll“end“lager in Bure

Tödlicher Erdrutsch im französischen Versuchslabor von Bure – Das Projekt CIGEO für geologische Tiefenlager von hochradioaktivem Müll muss gestoppt werden!

Am 26. Januar 12.40 Uhr ereignete sich in den unterirdischen Gängen des Versuchsbergwerks von Bure ein tödlicher ‚Erdrutsch‘ ( Bericht der AFP in Deutsch). Dort führt die ANDRA¹ Forschungsarbeiten durch, um in 500 Metern Tiefe den am stärksten radioaktiven Müll der Atomindustrie zu „entsorgen“. Eine Person ist bei diesem Vorfall gestorben, eine andere wurde verletzt. Dies ist der zweite tödliche Un­fall am Endlagerprojekt in Bure, 2002 war bereits ein Arbeiter tödlich in 228 Meter Tiefe verunglückt² (vgl. Aktueller Bericht aus „Le Monde“).

”Wir gedenken der Opfer und und trauern gemeinsam mit ihren Familien. Während wir auf genaue Informationen über die Umstände und Konsequenzen aus dem Unfall warten, stellen sich viele Fragen, die die Unsicherheit des Atommüllendlagers Bure betreffen:

1. Wenn die ANDRA nicht mal fähig ist, die Sicherheit ihrer eigenen Bauarbeiten zu gewährleisten, wie will sie dann die zukünftige Sicherheit für mehr als 100.000 Jahre garantieren, für ein Mega-Projekt, das aus mehr als 300 km unterirdischen Gängen und 5 km unterirdischer Bergbahn besteht?

2. Wenn das Projekt CIGEO eines Tages um bzw. unter Bure gebaut wird, wie will man dann ähnli­che Un­fälle vermeiden – vor allem da unter dem aktuellen Finanz-Druck der staatlichen Stromfir­ma EDF jetzt eine ”Billigvariante“ für Bure anvisiert wird (25 statt 35 Milliarden Euro).

3. Die ANDRA präsentiert den Untergrund unter Bure als hoch sicheren Safe: durch diesen Erd­rutsch ist die tatsächliche Stabilität des Lehm-Ton-Gesteins, in dem Atom­müll für Jahrtausende vergraben und si­cher vor der Biosphäre abgeschirmt werden soll, in Frage gestellt.

4. Wenn die unterirdischen Bruch- bzw. Verwerfungslinien, die offensichtlich mit den Bohrungen zusamm­enhängen, schon im Versuchsbergwerk in Erscheinung treten, was wird dann sein, wenn das Zentrum für die unterirdische Atommülllagerung gebaut ist und dann dort mit eingelagertem hochradio­akt­iven Müll ähnlich gravierende Unfälle geschehen?

”Dieser ‚Erdrutsch‘ bestätigt, dass die Reversibilität, also Rückholbarkeit, der Atommüll-Einlagerung nicht garantiert werden kann. Da ein Gesetzesentwurf über die Reversibilität sowie über die Durch­führung als Pilotprojektphase für Juni 2016 eingebracht wurde, muss das Endlagerprojekt jetzt drin­gend gestoppt wer­den. Dieser Unfall zeigt das enorme Risiko des Atommülllagers, ein Risiko auf das die Atomkraftgegner schon seit 20 Jahren hinweisen.“ so die Kritik der Stop Bure Initiativen.

”Das Projekt Cigeo/Bure ist teuer und gefährlich, es muss sofort beendet werden. Frankreich muss als erstes dringend die weitere Produktion von Atommüll beenden. Die Beschwichti­gungen der ANDRA, dass kein hochradioaktiver Müll hier im Versuchslabor lagert und die betroffene Stelle nicht das Lager sei, lenkt nur ab. Für die Atomindustrie geht es nur darum, dass das Projekt akzeptiert wird und die politische Entscheidung irreversibel ist. Es soll dann einige Kilometer entfernt im gleichen unsicheren Lehm-Ton­-Gestein gebaut werden.³ Dass die Einlagerung von Atommüll auch irreversibel und damit noch unkalku­lierbarer wird, interessiert dann nicht mehr“ so die Kritik vom Antiatomnetz Trier.

”Der Unfall zeigt, dass es mal wieder an Aufklärung und Information mangelt – Transparenz wird verspro­chen, aber nicht eingehalten. Genauso wie es keine wirkliche Bürgerbeteiligung der ganzen Großregion, keine grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung und keine ehrliche Kommunikation und demokrati­sche Entscheidung zu Bure gibt. Die Region wurde getäuscht, Land und Menschen ge­kauft, um das un­lösbare Atommüllproblem zu kaschieren und zukünftigen Generationen als Zeit­bombe aufzubürden. Bure dient dem Weiterbetrieb auch des Pannen­reaktors Cattenom. Wir fordern ein Ende für Bure, ein Ende der Atommüllproduktion und die Stilllegung aller Atomanla­gen wie Tihange, Fessenheim und Catte­nom!“ so das Antiatomnetz abschließend.

1) Agence National des Dechets Radioactive = Nationale Agentur für radioaktiven Müll

2) Eric Joly starb 2002 auf der Baustelle des Versuchslabors, die Arbeiten ruhten danach für 11 Monate http://gazettenucleaire.org/2007/241242p05.html und http://perline.org/?La-verite-au-fond-du-puits-de-Bure-en-Barrois

3) Die sog. Zone de Transposition (Umwandlungsgebiet), 200 Quadratkilometer um Bure kann das Endlager entstehen.