Kritik am „Endlager“suchverfahren

Von | 01/10/2020

und warum es höchstens ein Langzeit-Notlager werden kann

Vorbemerkung

In der Diskussion zum Endlagerungssuchverfahren werden von der Bundesregierung, den Parteien und den Medien irreführende und beschönigende Begriffe benutzt. Tatsächlich gibt es kein “sicheres” Endlager, das Atommüllproblem kann nicht “gelöst” werden. Dass eine ”Lösung“ möglich sei, soll uns vorgegaukelt werden, der Begriff verharmlost und spielt der Atomindustrie in die Hände. Nein, es wird lediglich das am wenigsten unsichere Endlager gesucht! Und dieses wird dann über eine Million Jahre unsicher und hochgefährlich bleiben. Fakt ist, dass die Lagerung des strahlenden Atommülls nach wie vor unlösbar ist. Davon auszugehen, dass das bleibende massive Gefährdungspotential verlässlich über Jahrtausende von zukünftigen Generationen und Gesellschaften gut bewältigt werden kann ist Naivität, technologische Arroganz oder politisches Kalkül.

Unsere Kritik:

Probleme und Kosten werden sozialisiert, Gewinne privatisiert: Die Endlagersuche mit ihren nicht absehbaren Problemen und immensen Kosten wurden der Gesellschaft aufgebürdet, die Verantwortung der entstandenen Probleme und Risiken wurden den Verursachern (RWE, ENBW, Eon etc.) genommen und deren Gewinne dazu noch unantastbar gesichert.

Das Ganze kommt zu spät: Vor 3 Jahren begann die Suche, erst jetzt wird die Bevölkerung einbezogen.

Es ist viel zu knapp: Wie soll man sich als BürgerIn in nur 4 Monaten mit der Materie auseinandersetzen und sich fundiert “beteiligen”?

Es ist eine Pseudobeteiligung, denn es fehlt eine rechtliche Regelung, dass eingebrachte Kritik und fundierte Einwendungen wirklich geprüft werden müssen.

Es ist ist intransparent: Die wichtigsten Daten und Informationen zur Erstellung des Zwischenberichtes sind nicht öffentlich.

Die benannten Gebiete sind riesig und nicht vergleichbar, da unterschiedliche geologische Formationen mit unterschiedlichsten Rahmenbedingungen in einen Topf geworfen werden und echte Eignungsdaten z.B. durch Bohrungen fehlen. Dies verführt zu zwei falschen Annahmen: a) es ginge bei der Suche demokratisch zu, und b) die eigene Region käme noch mal davon. Das heißt die Bevölkerung fühlt sich nicht betroffen und beteiligt sich nicht oder zu spät, Konflikte sind vorprogrammiert.

Vorfestlegung Tiefenlagerung ist gefährlich. Es gibt gute Gründe, die für eine temporäre oberflächennahe Lagerung sprechen – etwa um jederzeit an havarierende Atommüllbehälter heranzukommen und den Strahlenmüll neu zu verpacken.

Hinzu kommt: Bis heute lagert der Müll in havarierten Lagern wie Morsleben und Asse oder steht in unsicheren Zwischenlagern, um den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke zu garantieren (Ergebnis des rot-grünen ”Atomkonsens“).

Unverantwortlich ist zudem der Export von Brennelementen aus Lingen (inkl. Urananreicherungsanlage Gronau). Deutschland konterkariert damit den sog. “Atomausstieg” und lässt Privatunternehmen am Weiterbetrieb von Pannenreaktoren wie Cattenom, Tihange oder Doel verdienen.

Erst wenn alle Atomanlagen stillgelegt sind und damit die Produktion von Atommüll beendet wird, kann es eine vollständige Inventur des strahlenden Erbes geben! Doch das ist nicht der Fall. Hier und jetzt wird auch in Deutschland nicht nur von den noch immer weiterhin laufenden sechs Reaktoren1) neuer Atommüll produziert, sondern auch im europäischen Ausland mit deutscher Unterstützung, mit deutschen Beteiligungen und dank EURATOM.

Das einzig Positive: Gorleben ist disqualifiziert – nach erdrückender Beweislast und jahrzehntelangem Kampf! Es war geologisch noch nie geeignet, sondern eine politische (Fehl)-Entscheidung und gewalttätige Machtdemonstration.

Fazit: Es geht um ein Langzeit-Notlager zur Verwaltung der atomaren Katastrophe, das Verfahren ist zu spät, zu kurz, intransparent, hat Demokratiemängel und setzt auf falsche Vorfestlegungen, Einmischen bleibt wichtig!

1) Brokdorf, Grohnde, Grundremmingen C, Emsland, Isar II, Neckarwestheim II

Antiatomnetz Trier, 01.10.2020